Ich bin  – wie viele Menschen – mit der Idee aufgewachsen, dass Gedankensprünge etwas Schlechtes seien.

Leerstellen im Denken galt es um jeden Preis zu vermeiden und ein Aufsatz war gut, wenn die Argumentation logisch aufgebaut war. Dasselbe galt für Diskussionen, und wenn mich meine Gesprächspartner  stutzig oder verwirrt ansahen, habe ich mir Vorwürfe gemacht.  „Wieder nicht ordentlich gedacht!“.

Erst viel später habe ich mir das Wort Gedankensprung einmal genauer angehört. Springende Gedanken – ist das nicht etwas Großartiges? Gedanken, die Schritt überschlagen und Gräben überspringen können, die den Luftweg wählen und sich von irdischen Hindernissen nicht lähmen lassen….

Warum springen die Gedanken von hochbegabten und kreativen Menschen? Weil wir sie springen lassen! Wir lassen sie an der langen Leine und machen es so möglich, dass unser Denken sich zum Teil von der Intuition leiten lässt. Wir arbeiten nicht nur mit der linken Hirnhälfte, sondern lassen beide Hirnhältften zusammenarbeiten. Gedanken, die in Worte gefasst sind, werden durch Bilder, Gefühle, Sinneswahrnehmungen ergänzt. Wir bearbeiten das Thema, das uns beschäftigt, sowohl bewusst-logisch als auch unbewusst-intuitiv. In diesem Zusammenspiel – Kennzeichen von kreativem Flow – liegt die Gabe begründet, neue Lösungen zu finden, bisher Unvereinbares verbinden zu können, Wege aus dem Labyrinth zu finden.

Weil ich keinen Respekt vor Gedankensprüngen hatte, konnte ich früher auch die Rolle des Pferdes beim Schachspiels nicht wertschätzen. Unlogisch und kompliziert fand ich seine Art zu springen. Heute weiß ich, dass das Pferd nicht um die Ecke springt um uns zu verwirren oder weil es ungeschickt ist. Mit seinen Sprüngen kommt es an Stellen, die für andere Figuren unerreichbar sind und findet Wege und Angriffspunkte, an die der Gegner nicht denkt.
Kein Wunder, dass viele Menschen Gedanken-Sprünge als beunruhigend erfahren. Dass die logisch-übersichtliche Art Gespräche zu führen – ohne Leerstellen und Zickzacksprünge – in unserer Kultur zum Maßstab gemacht wurde.

Hochbegabte lernen früh, sich an die Ansprüche der Umgebung anzupassen und ihr Denken in Zaum zu halten. Umso befreiender erfahren sie dann die seltenen Momente, wenn sie „unter Springern“ sind. Wenn die Angst vor der Unsicherheit, vor Unlogischem und Unbekannten abwesend ist und frei in alle Himmelsrichtungen ausgeflogen werden kann.

Solche Momente sind nicht nur schön  – sie sind lebensnotwendig. Denn wer seine Gedanken zu oft an Fesseln legt, der weiß irgendwann nicht mehr, wer er denn ist. Denken ist nicht etwas, das wir tun oder lassen können; es ist unsere Art zu sein und uns lebendig zu fühlen.

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www.begabungswerkstatt.de

Bis bald! Nathalie

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Post von nathlieb

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