Warum ich meine Zweifel erst mal ins Wartezimmer setze

Logo gegen ZweifelDie Idee mit dem Wartezimmer kam mir, weil das mit der einsamen Insel nicht geklappt hat. Vor Jahren, als ich in einer großen Wolke von Zweifeln gefangen war, las ich in einem Forum den entzückenden Vorschlag, Zweifel auf eine Insel in Urlaub zu schicken. Die Idee ging ungefähr so: Stell dir ein Ferien-Resort vor, wo deine Zweifel sich richtig gut vergnügen können und dann lassen sie dich in Ruhe. Ich fand die Idee klasse, aber sie funktionierte nicht.

Elefant bläst Herzchen

 

Zweifel ignorieren

Nicht an Zweifel denken ist wie mit den rosa Elefanten:  Wenn man versucht, sie zu ignorieren, drängen sie sich nur immer lauter in unsere Gedanken.  Oder sie schleichen sich auf anderen Wegen wieder in unser Bewusstsein und sind in der Zwischenzeit noch größer und gefährlicher geworden. Gefühle wegschieben kann durchaus hin undwieder funktionieren, aber nur dann, wenn sie nicht dringend sind. Die meisten Zweifel sind aber dringend, denn sie entstammen Ängsten und Sorgen und sind ein Teil von uns.

Ein Teil von mir

Das war für mich eine der vielen wunderbaren Erkenntnisse im Laufe meiner Gestaltausbildung: Unsere Ängste und Zweifel sind Teile von uns selbst. Und es sind Teile, die wichtig für unsere Persönlichkeit sind, die uns etwas erzählen wollen. Sie sind nicht vom Himmel gefallen, sondern entstammen unserer Erfahrung. Deshalb sollten wir nicht versuchen, sie aus uns rauszuschneiden und loszuwerden. Das geht nicht und täte uns auch nicht gut. Wir würden damit auch wichtige Aspekte unserer Person über Bord werfen.

Andererseits merkte ich aber auch, dass es keinen Sinn hat, mich mit den Zweifeln zu beschäftigen, wenn sie schon zugeschlagen hatten. Denn dann beherrschten sie mein Denken und wirkten real. Das habe ich überhaupt lange gedacht: Dass Zweifel meinem Realitätssinn entstammen. Dass sie mich auf die Wahrheit aufmerksam machen. Und ich ihnen womöglich noch dankbar sein soll, weil sie mich davon abhalten, naiv meiner Begeisterung zu folgen. Bringt man uns das nicht auch an allen Ecken und Enden bei, dass wir uns für Kritik öffnen, unsere Pläne erst mal objektiv betrachten und von allen Seiten beleuchten, bloß nicht naiv loslegen sollen?  Sind Zweifel also nicht das, was uns vorm Scheitern bewahrt? Nein, das ist Quatsch. Denn der größte Teil der Zweifel ist nicht real. Sie haben gar nichts mit der Idee zu tun. Sie entstammen Ängsten und Sorgen, die gar nichts mit dem Projekt zu tun haben!

Das fiel mir aber erst auf, als ich mir die Zeit nahm, nicht nur einzelne Zweifel zu betrachten, sondern mein ganzes Zweifelverhalten. Und dabei entdeckte ich ein Muster, ich nenne es den Tanz der Zweifel.

Zweifel tanzen

Der Tanz der Zweifel geht so:

Am Anfang war ich ganz und gar begeistert von einer Idee. Ich spürte deutlich wo ich hin wollte – die Vision in meinem Kopf leuchtete ganz hell.

Die Anfangsbegeisterung

(Was nicht bedeutet, dass die Vision auch klar und deutlich wäre, aber dazu ein ander mal mehr).

Doch dann kamen die Zweifel. Ein Zweifel führte zum nächsten. Und irgendwann sagte ich mir, dass ich mich wohl vertan hatte: Die Idee war gar nicht so toll! Sie schien mir nur am Anfang so, weil ich noch naiv war und nicht die ganze Wahrheit kannte.

DIe Idee in die Schublade legen

Und ich legte mein Projekt zur Seite und widmete mich etwas anderem.

Aber dann,

nach einer kürzeren oder längeren Weile, fing die Idee wieder in mir zu kribbeln an. Nur so ganz leicht, gerade so viel, dass ich sie mir mal wieder anschauen wollte.

Die Idee wieder aus der Schublade holen

Und jetzt kommt das Erstaunliche: Wenn ich meine Idee wieder aus der Schublade holte, waren die Zweifel verschwunden! Oder schienen plötzlich ganz unwichtig. Ich konnte jetzt gar nicht mehr verstehen, warum ich das Projekt weggelegt hatte, die Idee war doch klasse! Voller Hoffnung und Elan stürzte ich mich in die Arbeit an meinem Projekt.

Aber dann, nach einer kürzeren oder längeren Weile (meistens schneller als beim ersten mal) kamen mir wieder Zweifel.

Zweifel bei der kreativen Arbeit

Und so ging es weiter. Der Tanz der Zweifel ist nämlich ein Rundentanz.

 

Der Durchbruch

Den Tanz der Zweifel zu erkennen, war für mich der Durchbruch. Denn ich begriff jetzt, dass die Zweifel nicht von der Realität erzählten. Es war nicht so, dass ich am Anfang naiv war und dann durch die Zweifel die negativen Aspekte meiner Idee ans Licht kamen. Denn wenn ich wieder im Begeisterungsmodus war, löste sich der größte Teil der Zweifel ins Nichts auf. Und nicht, weil ich sie dann ignorierte. Sondern weil meine Vision wieder leuchtete und mich wieder an das erinnerte, was wirklich wichtig war. Was so besonders und inspirierend an meiner Idee war.

Und die paar kleinen Zweifel, die dann noch blieben, erfuhr ich jetzt nur noch als Erinnerungen an ein paar kleine Probleme, die ich noch lösen musste. Klar musste ich noch darüber nachdenken, ob das Buch nicht zu teuer werden würde und ob ich es in drei Teile oder vier aufteilen würde. Aber das waren Detailfragen. Es waren keine Zweifel an der Vision selbst. Die leuchtete mir wieder hell meinen Weg.

Eine klare Vision

Denn genau das war in der Zweifelwolke geschehen: Ich hatte die Vision aus dem Blick verloren. Sie hatte mir nicht mehr den Weg geleuchtet. Und darum war ich im Dunkel wie ein blindes Huhn hin und her gerannt, hatte mal ein bisschen in der Richtung gesucht und dann wieder in der anderen und war dabei im Kreis gelaufen bis mir schwindelig war und ich gar nichts mehr sicher wusste. Ich hatte den Kontakt mit meiner Vision verloren und damit das, was mir Energie und Mut gab, was mir die Richtung weisen und Antworten geben konnte.

Ohne meine Vision hatte ich an den falschen Stellen nach Antworten gesucht: mir die Bücher von anderen angeschaut oder Schreibratgeber gelesen, KollegInnen um Rat gefragt oder im Internet gesucht. Und klar können mir Gespräche mit KollegInnen oder Schreibratgeber manchmal helfen. Aber nur, wenn ich meine Vision noch im Blick habe!

Wenn ich Zweifel habe, dann hilft nur eins: Schauen, ob meine Vision noch leuchtet und was sie mir zu den Fragen der Zweifel antwortet.

ich bin deine Vision und ich sage dir

Und wenn meine Vision nicht mehr leuchtet, dann hilft nur eins: Sie wieder aktivieren und wieder zum Leuchten bringen.

Und hier kommt das Wartezimmer ins Spiel. Es gibt mir die Zeit, mich erst um meine Vision zu kümmern, bevor ich den Zweifeln zuhöre.

 

Eine Pause für die Zweifel

Ich schicke meine Zweifel also nicht weit weg auf eine einsame Insel, sondern lade sie ins Wartezimmer ein. Dort gibt es alle nur erdenklichen Angenehmlichkeiten, sodass auch der ungeduldigste Zweifel es da doch eine Weile aushalten kann: Schlaftee und Wärmflasche,  Hypnosepirale und Meeresrauschen, den langweiligsten Roman aller Zeiten und romantische Schlaflieder. Und das gibt mir alle Gelegenheit, sie zu beobachten und zu sezieren, zu analysieren und zu interpretieren. Dafür habe ich natürlich auch eine Methode entwickelt: ein praktisches Zweifel-Analysier-Instrument, dazu bald mehr.

Bis dahin kannst du dir ja selbst schon mal ein Wartezimmer für deine Zweifel basteln. Ganz nach deinen eigenen Ideen oder mit meinem Bastelbogen.

 

Der Bastelbogen

Das Wartezimmer gibt es als Bastelbogen in zwei Farbgebungen (auch Zweifel haben da so ihre Vorlieben) und mit vielen praktischen Gegenständen, die du nach deinen eigenen Wünschen kombinieren und mit einer persönlichen Note ergänzen kannst. Und natürlich ist das Wartezimmer auch ein tolles Geschenk für kreative Menschen, die auch manchmal von Zweifeln geplagt werden (und wer wird das nicht? ).

Das blaue Wartezimmer mit vielen Details, wie Wärmflasche, Tasse und Bilderrahmen

P.S. Wer mag kann das Wartezimmer auch selber ausmalen! Bestell dann den schwarz-weißen Bastelbogen.

 

 

 

 

 

 

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