Was ist das Gegenteil von Flucht?

Wenn es um Flucht geht, gibt es drei mögliche Rollen: Die Verfolger, die Flüchtlinge und die Aufnehmenden. In unserer Familiengeschichte gab es sie alle.

Pfeile zeigen die Richtung der Flucht -Bewegungen in meiner Familie

Die Herkunft meiner Familie besteht für mich nicht aus Koordinaten, sondern aus Kultur und Lebenserfahrungen. (Illustration: Nathalie Bromberger)

Unsere protestantischen Vorfahren wurden aus Salzburg vertrieben, die Katholiken in den Niederlanden unterdrückt und die jüdischen Vorfahren in Polen bei Pogromen bedroht. Im zweiten Weltkrieg flohen meine Großeltern mit ihren Kindern von Ost nach West und von West nach Ost. Was für ein Chaos!

Wenn ich etwas daraus gelernt habe: Es ist egal in welchem Land man lebt, an welchen Gott man glaubt, welche Partei man wählt, innerhalb kürzester Zeit kann sich ein scheinbar sicheres Land in ein unsicheres verwandeln und können die Privilegien und der Lebensstandard, den man für selbstverständlich hält, sich in Luft auflösen.

Einer meiner Großväter war überzeugter Nazi, schon 1926 Mitglied der NSDAP. Er war Arzt – was hat ihn vom Menschenretten zum Menschenverachten gebracht? Wie konnte er sich von seinen jüdischen Vorfahren so abkehren?
Als Jugendliche habe ich mich gefragt, ob ich als seine Nachfahrin schuldig bin. Aber später habe ich gemerkt: Schuld oder Unschuld an Merkmalen wie Nationalität oder Religion festzumachen, ist rassistisch. Schuld ist jeder und jede, die Unrecht toleriert. Egal wo. weiterlesen

Die Erinner-App und andere Dummheiten Newsletter 6. März

Nathlieb-Newsletter
vom 6. März

Hast du heute schon etwas richtig Dummes gemacht?

Ich muss Euch etwas über eins der größten Aha-Erlebnisse in meinem professionellen Leben erzählen: Es hat mit Dummheit zu tun. Ich habe nämlich sehr lange mit der Vorstellung gelebt, dass ich ein intelligenter Mensch bin und mich darum auch vernünftig verhalte. Wenn mir eine Dummheit passierte, fand ich das immer sehr erschreckend und höchst peinlich. Und ich dachte Dinge wie: Wie konnte das nur passieren! Warum hab ich nicht besser aufgepasst! Ich muss mich besser konzentrieren, ordentlicher werden, mich professioneller verhalten, endlich erwachsen werden und mich mehr anstrengen, damit so was NIE WIEDER VORKOMMT.

Ich weiß gar nicht mehr genau, wann ich entdeckt habe, wie das mit den Dummheiten wirklich ist. (Verrückt eigentlich, dass sich manche unserer größten Erkenntnisse gar nicht mit Fanfaren und einer Lichtshow ankündigen, sondern ganz allmählich und unscheinbar in uns einziehen).
Was ich wohl noch weiß ist, dass mir eines Tages klar wurde, dass ich gar nicht nur hin und wieder eine Dummheit mache, sondern wahnsinnig oft. Genauer gesagt jeden Tag viele Male:

Ich ziehe zwei verschieden schwarze Socken an.
Ich vergesse die Palme zu gießen.
Ich verlege meine Brille.
Ich vergesse meine Oma anzurufen.
Ich schütte ein Glas Tee über die gerade geschriebenen Rechnungen.
Ich verlege meine Brille schon wieder.
Ich vergesse Milch zu kaufen.
Ich schmeiße eine Tasse runter. Zum Glück geht sie nicht kaputt.
Ich nehme den falschen Zettel mit zu einer Besprechung.
Ich mache einen Curryfleck auf das neue T-Shirt.
Und so weiter.

Und erstaunlicherweise bin ich nicht die Einzige, die so viele Dummheiten macht. Ich habe mich bei meinen Freunden umgehört: Die meisten von ihnen machen genauso viele dumme Sachen! Es kann natürlich sein, dass das an mir und meinem komischen Freundeskreis liegt :-). Aber wahrscheinlicher ist, dass Dummheiten zu unserem Leben gehören. Unsere Gehirne sind keine Computer. Deswegen verlaufen unsere Denkprozesse nicht nach Programm. Wir haben keine Erinner-App im Kopf, die uns den Weg weist:
Erinner-App erinnert an Termine

(und hier sollte eigentlich der Mediaplayer sein, damit du die Stimme der Erinner-App hören kannst – aber ich krieg es nur mit einem Link zu Soundcloud hin:)

Erinner-App-Sound

Zum Glück ist es nicht so. Wäre unser Kopf programmiert wäre ja wohl an der ganzen Sache mit dem Leben und dem Glück nicht viel dran.
(Mal abgesehen davon, WER so ein Programm schreiben sollte. Gott hatte ja wohl keine Lust, uns bis ins Detail zu programmieren).

Unsere Denkprozesse – die aus sinnlichen Erfahrungen, logischen Schlüssen, Erinnerungen, Assoziationen und sehr vielen Wundern bestehen – sind viel zu komplex, um sie in ein „Wenn A, dann B“-Programm zu fassen. Wir werden uns also damit abfinden müssen, dass wir auch weiter Dummheiten machen werden.Und eigentlich ist dieser Gedanke sehr schön. Denn wenn man sich einmal damit abgefunden hat, dass man nur ein kleines fehlbares Menschlein ist und kein Supergirl oder Wonderwoman, dann wird der Blick frei auf die schönen Seiten der Dummheit.

Da wir sowieso den ganzen Tag Dummheiten machen, tun ein paar mehr oder weniger nicht zur Sache. Wir können uns also ruhig erlauben, jeden Tag noch drei Dummheiten mehr zu machen. Ich nehme mir das jetzt mal vor:
Gleich werde ich an meinem Projekt (dem mit den negativen Sprüchen) arbeiten und dabei mache ich mindestens eine Dummheit. Einen schönen dicken Fehler zum Beispiel. Oder eine Zeichnung, die nicht so cool aussieht, wie ich sie mir im Kopf vorgestellt hatte. Vielleicht vergesse ich auch noch einen wichtigen Gedankengang, der mir dann erst nach der Veröffentlichung auffällt.

Morgen fahre ich nach Frankfurt. Das bietet jede Menge Raum für Dummheiten. Ich verspreche hiermit feierlich, dass ich mich anstrengen werde, mindestens eine wichtige Sache nicht einzupacken. Wahrscheinlich vergesse ich vorher auch, die Heizung im Arbeitszimmer abzustellen und das Telefon weiterzuschalten.
Handy im Zug vergessen und andere Dummheiten auf derReise.

He, das fängt an, richtig Spaß zu machen!
Ich freu mich schon darauf, was mir Freitag so an Dummheiten einfällt. Vielleicht überrasche ich mich mit ein paar richtig coolen Idiotien.

Und du, was hast du dir für heute an Dummheiten vorgenommen?

Liebe Grüße,
Nathalie

Gute Vorsätze und große Pläne Newsletter Januar 2015

Newsletter Januar 2015

Hast du dir für 2015 etwas Großes vorgenommen? Wenn nicht, dann ist es noch nicht zu spät. Trau dich!

Zu lange in meinem Leben dachte ich, kleine Pläne ließen sich leichter verwirklichen. Aber wir sollten kleine Pläne nicht mit kleinen Schritten verwechseln. Mit kleinen Schritten kommen wir an unsere großen Ziele – das ist wahr. Aber kleine Pläne sind oft von vornherein zum Scheitern verurteilt. Warum? Weil sie uns nicht vom Hocker reißen. Uns nicht begeistern, unser Herz nicht zum Lauterklopfen bringen und auch, weil, wenn uns selbst die Begeisterung fehlt, wir auch andere nicht mitreißen und überzeugen können. Der Architekt Daniel Burnham hat das schon vor langer Zeit in schönen Worten zum Ausdruck gebracht:

“Make no little plans; they have no magic to stir men’s blood and probably themselves will not be realized”.
Comic zu runtermachen

Bevor ich von meinen eigenen großen Plänen berichte, muss ich dringend erst was zu den Sprüchen sagen, die ich auf meiner facebook Seite gesammelt habe und die ihr so großzügig gespendet habt. Noch habe ich mich nicht mit der angekündigten Überraschung revanchiert. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens sind es so viele Sprüche geworden, dass die Verarbeitung länger dauert als gedacht. Und dann kam mir natürlich wieder eine unerwartete Idee in die Quere. Ich hatte eigentlich nur einen Text daraus machen wollen, aber desto mehr ich mich in die Sprüche vertiefte, desto klarer wurde mir, wie sie wirken und was wir dagegen tun können. Und ich habe mir etwas enorm Verrücktes und ebenso Wirkungsvolles dazu überlegt – hihihihi – Ich habe sehr viel Spaß beim Produzieren, aber ihr werdet Euch leider noch ein wenig gedulden müssen.

2015 wird das Jahr der vielen Bücher…
Und sie sollen alle schöne Cover haben. Denn bei den ersten drei Büchern, die mit meinem Namen drauf im Buchladen lagen, hätte ich jedes mal heulen können, wenn ich sie ansah. So unglücklich war ich mit ihrem Aussehen. Aber in den letzten Wochen sind gleich zwei Bücher erschienen, an denen ich beteiligt war und beide sehen richtig gut aus.

"Das Erfinder-Kritzelbuch" lädt Kinder zum Erfinden ein

Das Erfinder-Kritzelbuch ist da! Im Januar bei Coppenrath erschienen.

Beim “Erfinder-Kritzelbuch” , das Anfang Januar bei Coppenrath erschienen ist, war ich zum ersten mal nicht nur für den Inhalt, sondern auch für die gesamte Gestaltung des Buches verantwortlich und das war eine schöne Erfahrung.
Buchcover “Klein und schlau – Experimente für junge Forscherinnen und Forscher”

Experimentierbuch der ijf mit Illustrationen von Nathalie BrombergerAber auch das von Dagmar Wolf und der “Initiative junge Forscherinnen und Forscher” herausgegebene “Experimentierbuch” sieht richtig toll aus. Meine Illustrationen hat David Englert zu einem so farbenfrohen Cover verarbeitet, dass bestimmt kein Kind daran vorbeilaufen kann, ohne es aufzuschlagen!

Dieses Jahr will ich viele Bücher machen (zwei sind schon fast fertig und zwei liegen zur Vermittlung schon bei der Agentur und dann sind da noch sooo viele Ideen) und eins ist klar:
Wenn sie fertig sind, sollen sie alle Cover haben, mit denen ich rundum zufrieden bin. Denn auch wenn ich mit meiner Arbeit die Augen meiner Leser zum Leuchten bringen will – am allerwichtigsten ist doch, dass mein eigenes Herz rundum zufrieden ist.

Von leuchtenden Augen und von den drei Merkmalen kreativer Menschen erzähle ich in meiner neusten Ode (Nr. 5). Sie ist wieder länger geworden als geplant – über Kreativität gibt es eben wahnsinnig viel zu sagen!

Ich wünsche Dir leuchtende Augen und jede Menge Spaß bei deinen Projekten!

Nathalie