Mein Verlagstraum

Ich hatte versprochen, dass ich Euch von meinem Verlagstraum erzÀhle. Aber da TrÀume nicht in Worte gefasst werden können, ohne einen wichtigen Teil ihrer Ladung zu verlieren, kommen hier nur drei Szenen aus meinem Traum-Verlag.
Ich könnte so viel mehr erzĂ€hlen – aber damit wĂŒrde ich zuviel festlegen. Warum das meinem Traum nicht gut tĂ€te, könnt ihr hier nachlesen…

Verlagstraum Szene 1: 
Verlagstraum Szene 1: Der Verlag als Wohnwagen LĂ€dchen

Verlagstraum Szene 2:

Verlagstraum Szene 2: Der Verlag als kreative Werkstatt

Verlagstraum Szene 3:

Verlagstraum Szene 3: Der Verlag als Salon

  Zu vage? Nee, genau richtig. Diese Bilder – und ein paar mehr, die ich noch im Inneren trage – sind kraftvoll und können mir gut den Weg weisen. Sie erzĂ€hlen mir, was am wichtigsten ist:  Hat der Verlag die Wirkung, die ich mir ertrĂ€ume? Steht die TĂŒr immer offen? Nehme ich mir die Zeit fĂŒr meine Leser und deren Geschichten und BedĂŒrfnisse? Tut mir die Arbeit gut, enge ich meinen KreativitĂ€t nicht mit ĂŒberflĂŒssigen Regeln und Etiketten ein, macht sie mir Spaß? Und arbeite ich nicht zuviel allein, nutze ich die Kraft der Kooperation, lasse ich mich inspirieren, mir helfen, mich von anderen begeistern und gebe ich selbst mit ganzem Herzen weiter?

Diese drei Bilder sind ein starker Kompass fĂŒr meinen Inneren Businessplan! Gerade weil es nicht Zahlen oder Value Propodingse sind, sondern Bilder, die in mir gewachsen sind, die von Herzen kommen und die ich in jeder Faser meines begeisterten Körpers fĂŒhlen kann.

Ich mach mich jetzt auf. Es geht los!

* Kommt dir der Bildaufbau von der dritten Zeichnung bekannt vor? Ich musste beim Zeichnen eben an einen Salon denken.

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Die Kunst mir selbst beim TrÀumen zuzuhören

Autorin hört sich selbst beim TrÀumen zu

Als ich anfing, an meinem kreativen Businessplan zu arbeiten, stellte ich mir vor, dass ich mich als ersten Schritt mit meinen Werten beschĂ€ftigen mĂŒsste. Ich hab jede Menge BĂŒcher ĂŒber soziales Unternehmen gelesen, sehr bewegende und inspirierende Biografien und Pamphlete von sozialen UnternehmerInnen wie Anita Roddick, Tony Hsieh, Adam Braun und Blake Mycoskie. Und ich bin mir sicher, dass ich diese BĂŒcher noch sehr gut werde gebrauchen können – aber nicht im ersten Schritt. Denn das Nachdenken ĂŒber die Wege und Werte dieser Unternehmer hat mich von dem weggefĂŒhrt, was ich doch gerade als Ausgangspunkt nehmen wollte: Das was mein Herz zum Funkeln bringt. Es entbehrt nicht einer gewissen Tragikomik, wie ich es immer wieder schaffe, mich selbst auf Umwege zu bringen. Aber gut – inzwischen habe ich es ja begriffen. Und auch, warum es so schwer ist, mich erst mal auf das zu konzentrieren, was mir selbst wirklich wichtig ist. Ich habe eben nie gelernt, meine TrĂ€umen zu hören.

 

1. Unerhörte TrÀume

Ich habe mir auch nie erlaubt, meinen TrĂ€umen wirklich zuzuhören. Ihnen mit Zeit, Geduld und Offenheit zu lauschen, bis sich sich mir in allen Details erzĂ€hlt haben. Sie nicht gleich nach den ersten drei SĂ€tzen zu unterbrechen und zu rufen: “Ich weiß, was du meinst”. Sie nicht gleich mit Etiketten zu belegen: “Aha, ein Kleinverlag”.  Und ihnen nicht mit voreiligem Geplane die Luft zum Atmen zu nehmen: “Jetzt sind schon drei Monate vorbei und wenn du bis zur Buchmesse zwei BĂŒcher veröffentlichen willst, dann aber los!”

TrĂ€ume sind wild und groß und frech und vor allem neu und unbekannt (sonst wĂ€ren es ja keine TrĂ€ume). Das macht Angst. Und verlockt dazu, das Wilde und Unbekannte zu bremsen und es so schnell möglich zu entĂ€ngstigen. Sie zu zĂ€hmen und zu beschneiden und so lange an ihnen herumzudrĂŒcken, bis sie handlich sind und wir sie erkennen. Weil wir genau das schon mal irgendwo gesehen haben. In echt oder im Fernsehen oder in einer Hochglanzzeitschrift.

Autorin stopft ihren Traum zurĂŒck in den Kopf

TrÀume brauchen Zeit und Raum. Sie erzÀhlen sich nicht innerhalb einer bestimmten Frist. Im Gegenteil: Wenn wir unseren TrÀumen eine Deadline stellen, verziehen sie sich entmutigt oder sie versuchen sich hysterisch in eine machbare Form zu zwÀngen. Nur wenn wir ihnen wirklich Raum geben, ihnen erlauben sich breit zu machen und mit all ihren Schnörkeln zu entfalten, trauen sie sich aus ihren Schlupfwinkeln.

Was dann kommt ist anders als erwartet und ĂŒberraschend und frisch. Und doch, sobald sie sich erzĂ€hlen, erkenne ich sie schon, diese TrĂ€ume. Denn ich weiß wo sie herkommen – nĂ€mlich direkt aus dem Herzen – und ich verstehe, was sie mir bedeuten.

 

2. Die TrÀume der Anderen

Mir zuhören heißt auch, meine TrĂ€ume auf sanfte aber bestimmte Weise vor den TrĂ€umen der Anderen zu schĂŒtzen. Das ist gar nicht so leicht.

In den letzten Monaten hat mich immer wieder ĂŒberrascht, wie stark andere auf meine VerlagsgrĂŒndung reagierten. Ganz toll waren die vielen „Mach das!“ und „Großartige Idee!“-Rufe. Und ich bekam ganz viele liebe Angebote, mein Vorhaben zu unterstĂŒtzen. Ganz vielen lieben Dank dafĂŒr! Doch manchmal, nachdem die ersten Begeisterungsschreie verstummt waren, geschah etwas Lustiges: Dann erzĂ€hlten mir die Anderen wie sie sich meinen Verlag vorstellten.

Begeisterte Freunde erzÀhlen, wie sie sich meinen Verlag vorstellen.
Am Anfang haben mich diese Kommentare irritiert. Denn der Verlag in meinem Kopf sah ganz anders aus. Die Anderen sprudelten mit ihren Ideen schon los, bevor ich dazu gekommen war, meine zu schildern. Doch dann fiel mir ein, dass ich oft genau so auf die Ideen von Freunden reagiert hatte. ErzĂ€hlte Anna mir von ihrer Idee, ein CafĂ© zu eröffnen, sah ich Holztische und Vasen mit frischen Blumen vor mir und jede Menge Kunst an den WĂ€nden. Und als Anton mir von seinen TheaterplĂ€nen erzĂ€hlte, trĂ€umte ich fĂŒr ihn begeistert von einer ganz neuen Art Marionettentheater. NatĂŒrlich hatten Anna und Anton selbst ganz andere Ideen.

Vielleicht (nein, sicher), wĂ€re es höflicher, erst nachzufragen, was genau die Anderen sich ertrĂ€umen, bevor man die eigenen Ideen dazu loslĂ€sst. Aber andererseits – ist es nicht wunderbar, wie ansteckend TrĂ€umen ist? Wie wir einander mit unseren WĂŒnschen und Ideen inspirieren und einander verleiten, schlummernde oder lĂ€ngst vergessene TrĂ€ume wieder zu beleben? Ist es nicht ganz bezaubernd, wie TrĂ€ume, Funken gleich, durch den Raum fliegen und sich vermehren? Solange wir anderen unsere Ideen nicht aufdrĂ€ngen, sondern einfach genießen, dass es so viele wunderbare TrĂ€ume gibt, kann doch nichts passieren. Denn Ideen kann es nie genug geben. Und TrĂ€ume nie zu viele. Seit ich mir das klargemacht habe, kann ich entspannt lĂ€chelnd den AndertrĂ€umen zuhören und sie in Gedanken in eine Dose schieben die heißt: “Wie andere sich meinen Verlag vorstellen”. Ich bin mir sicher, in einer spĂ€teren Phase werde ich diese Ideen gut gebrauchen können. Sie helfen mir dann bestimmt, meine Ideen mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Aber jetzt noch nicht – jetzt geht es nur um meine eigenen VerlagstrĂ€ume.

[box type=”warning”] Bevor du weiterliest: Hast du auch einen Verlagstraum? Wie stellst du dir den idealen Verlag vor? Wer arbeitet da? Wie sehen die RĂ€ume aus? Und vor allem: Was fĂŒr BĂŒcher entstehen dort? [/box]

3. Lernende TrÀume

Was, ich soll nur zuhören? Wie können sich meine TrĂ€ume denn dann entwickeln? Ich will doch, dass sie wachsen und lernen. Muss ich sie nicht testen und prĂŒfen? Schauen ob sie verwirklichbar sind?

KĂŒnstlerin baut HĂŒtte wĂ€hrend sie in Gedanken ein Traumschloss vor sich sieht. “SorgfĂ€ltig prĂŒf ich meinen Plan; er ist groß genug; er ist unverwirklichbar” – hat Brecht geschrieben. Es ist ein großer Irrtum, dass wir unsere TrĂ€ume beschneiden und kritisieren und auf Machbarkeit prĂŒfen sollen. PlĂ€ne machen wir mit dem Verstand, TrĂ€ume mit dem Herzen. Wenn wir an unseren TrĂ€umen rumschnibbeln, nehmen wir uns das, was uns den Mut gibt, unsere PlĂ€ne voranzubringen: Eine Vision, die aus dem Herzen kommt und mit Herzkraft angetrieben wird. Es geht nicht darum, die TrĂ€ume auf Machbarkeitsniveau zusammenzuschrumpfen. Das Machbare, das was wir auf unsere To-Do-List schreiben, das sind PlĂ€ne. PlĂ€ne sind auch wichtig. Sie helfen uns, das Schaudern zu ertragen, das uns ĂŒberkommt, wenn wir die GrĂ¶ĂŸe unserer TrĂ€ume erkennen. PlĂ€ne helfen uns auch, den Mut zu behalten, weil sie uns erlauben, einen kleinen Schritt nach dem anderen zu machen.  Sie helfen uns, unsere PlĂ€ne immer wieder an unseren TrĂ€umen zu messen.

Aber unsere TrĂ€ume? Die brauchen wir genau so ungestĂŒm und unglaublich, wie sie in uns auftauchen. Und so bunt und glĂŒhend, wie sie uns durch die Adern strömen. Es ist der Kontrast zwischen dem, was ist, und dem, was sein könnte, der uns in Bewegung bringt. Und immer weiter treibt. Auch wenn Plan A erfĂŒllt ist. Und Plan B auch. Denn TrĂ€ume sind grĂ¶ĂŸer als all unsere PlĂ€ne. Es ist keine Schande, am Ende unseres Lebens unsere TrĂ€ume nicht in all ihrer GrĂ¶ĂŸe wahrgemacht zu haben – dafĂŒr sind sie da. Eine Schande  – oder einfach sehr schade – wĂ€re es, wenn wir vor lauter PlĂ€neschmieden und PlanerfĂŒllung vergessen, was wir eigentlich wollen. Was da in uns glĂŒht und ruft: Ich bin dein Traum, lass dich verlocken, lass dich mitnehmen ins Abenteuer.

Wenn unser Plan kein Abenteuer ist, ist er zu klein. Dann haben wir nicht mal versucht, einen Zipfel unseres Traums zu erhaschen, sind im Morast der VernĂŒnftigkeit steckengeblieben. Das Schwierigste bei der Arbeit an meinem Businessplan war genau das: Immer wieder PlĂ€ne ĂŒber Bord zu werfen und Kurs aufs Abenteuer zu nehmen. Nicht zu frĂŒh festzulegen, nicht zuviel zu rechnen, nicht zu kleine Brötchen zu planen und nicht zu frĂŒh das Festland anzusteuern.

Gedanken beim Zeichnen eines Comics

4. Wachsende TrÀume

TrĂ€umen ist schön, aber auch sehr viel Arbeit. TatsĂ€chlich bin ich ausnahmsweise mal richtig stolz auf mich, weil ich mich selbst immer wieder mitgerissen habe, mich herausgefordert noch ein bisschen mehr Wind zu fassen und mich ganz vorn aufs Boot zu stellen, wo die Gischt mir um die Ohren wehte. Und hier und da hab ich schon eine Ahnung von meinem Traum bekommen. Es ist nicht der, den ich dachte. Er ist wild und ĂŒberraschend. Lustig und ernst. Bunt und voller Tiefgang. Ein Traum eben.

Heißt das, dass TrĂ€ume stillstehen? Dass sie sich nicht entwickeln? Dass ich nichts an ihnen verĂ€ndern darf? Quatsch – natĂŒrlich verĂ€ndern sie sich. Aber nicht, weil ich das mit dem Kopf entscheide. Nicht weil ich sie zu PlĂ€nen degradiere oder ihnen die Abenteuerlichkeit nehme. Sondern weil ich mich verĂ€ndere. Weil mein Herz sich verĂ€ndert. Weil mit allem, was ich tue, mit jedem GesprĂ€ch, das ich fĂŒhre und jedem Schritt, den ich ins Ungewisse setze, meine Erfahrung wĂ€chst. Und mit meiner Erfahrung wĂ€chst mein Traum. Ich und mein Traum – wir lernen zusammen, wir wachsen zusammen.

 

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Und was genau ertrĂ€ume ich mir fĂŒr den Zacken-Verlag? Das kommt dann nĂ€chste Woche.

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Ein kleines Update. Diesen Artikel hab ich vor zwei Jahren geschrieben. Den Verlagstraum gibt es noch, der Zacken Verlag hat jetzt schon sechs Produkte veröffentlicht und die nĂ€chsten sind in Arbeit. Das BĂŒcherachen macht genauso viel Spaß, wie ich erwartet habe. Aber der Verlagstraum hat mir noch viel mehr Schönes gebracht. Ich habe wunderbare Menschen kennengelernt und mich in vielen neuen Rollen ausprobiert (von der Verlagsvertreterin bis zur Finanzfrau),  bin jetzt auch  BĂŒcherfrau und  Gewerbetreibende, und ich freu mich immer wieder, wenn ich mich als Verlegerin vorstelle. Denn, und da war ich mir am wenigsten sicher, ob dieser Teil mir liegen wĂŒrde: Mir macht das Unternehmen Spaß. Es macht mir Spaß, zu planen und zu kalkulieren, zu netzwerken und zusammenzuarbeiten. Und es macht mir Spaß, dass all die vielen Seiten meiner Persönlichkeit jetzt unter einem Dach zusammenleben können. Manchmal fĂŒhrt das zu inneren KĂ€mpfen, wenn die Illustratorin und die Grafikerin sich nicht ĂŒbers Papier einigen können oder die Nachhaltigkeitsbeauftragte und die Finanzfrau unterschiedliche Druckereien beauftragen wollen. Wenn die Autorin das Manuskript nicht rechtzeitig abschickt und die Verlegerin darum den ganzen Tag knatschig ist. Aber jeder dieser inneren KĂ€mpfe lĂ€sst mich wieder etwas lernen, meinen Traum vertiefen und mir neue Abenteuer ausdenken. Wie schön, dass TrĂ€ume mitwachsen.

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Sieben gute GrĂŒnde fĂŒr den eigenen Verlag

Seit ich den Zacken Verlag gegrĂŒndet habe, bekomme ich nicht nur jede Menge sehr positiver und unterstĂŒtzender Reaktionen. Sondern immer wieder auch die eine Frage: “Warum hast du dich entschieden, einen eigenen Verlag zu grĂŒnden?” Ich habe lange ĂŒber diese Frage nachgedacht – es scheint mir wichtig, dass ich mir ĂŒber die Motive meiner GrĂŒndung im Klaren bin. Dass ich nicht falschen Idealen oder alten Wahnbildern hinterherlaufe, sondern wirklich das tue, was fĂŒr mich jetzt und heute richtig ist. Trotz oder wegen allen Nachdenkens kann ich nicht in zwei SĂ€tzen antworten. Hinter meiner Entscheidung liegt ein langer Prozess. Angefangen hat er schon, als ich gerade erst lesen konnte.

 

1. BĂŒcher machen

Es gibt wenige Erinnerungen aus meiner Kindheit, die sich in mir so lebendig erhalten haben, wie die an meinen ersten Besuch auf der Frankfurter Buchmesse. Ich muss damals um die sieben gewesen sein. Viel von dem, was die Erwachsenen dort miteinander besprachen, habe ich nicht verstanden, aber eins begriff ich bis in mein kleines waches Herz: Diese Leute machten BĂŒcher! BÜCHER!!!! Das musste man sich mal vorstellen! Es hĂ€tte mich nicht mehr beeindrucken können, wenn sie Geld oder Gold gemacht hĂ€tten.MĂ€nner mit BĂ€rten reden ĂŒber BĂŒcher

 

Und noch eins war mir sofort klar: Das will ich auch! Ich trĂ€umte nicht wie andere Leseratten in meinem Alter davon, Schriftstellerin zu werden. Mir ging es nicht nur ums Schreiben – so gerne ich das auch gemacht habe – oder das Zeichnen – so fasziniert ich auch davon war. BĂŒcher waren fĂŒr mich immer schon ein Gesamtkunstwerk, aus Einband und Seiten, Bildern und Schriften, Worten und Geschichten. Und bei einem guten Buch passt alles zusammen: Vom GefĂŒhl, wenn man mit den Fingern ĂŒber den Einband streicht, ĂŒber das Gewicht des Buches auf dem Schoß, der Spannung beim Öffnen der Seiten (und wie weit ich meine damals noch kleinen Arme dabei ausbreiten musste), dem Geruch des Papiers, seiner Farbe und Struktur (weiß oder gelblich, glatt oder offen?) und dann wie sich Text und Bild in diesem Zusammenspiel verhalten. Wie der Blick vom Text zum Bild schweift. Wie SĂ€tze frei auf Seiten schweben oder Wort an Wort sich auf dem Papier drĂ€ngen. Wie jeder Aspekt eines Buches einen Teil der Geschichte erzĂ€hlt.
Das Allertollste an BĂŒchern aber ist: Man kann sie machen. Man braucht nicht Gott zu sein oder Alchimist. Man braucht auch keine Erwachsenen dafĂŒr und muss nicht um Erlaubnis fragen. Man braucht nur Papier und Stifte. Und Leim oder Tesafilm. Das ist alles. Dann hat man ein Buch!!! (Ich hab auch BĂŒcher aus Stoff, BlĂ€ttern, Cornflakeskarton und einem alten Telefonbuch gemacht. Und gebunden habe ich sie mit Garn, Schrauben, Papierstreifen, Draht oder gar nicht – dann waren es FaltbĂŒcher). Wieviele BĂŒcher ich schon gebastelt habe? So um die Hundertmillionentausendsiebenzwölfneunzehndrei.

 

2. BĂŒcher mit Geist machen

Meine ersten BĂŒcher habe ich (mit)veröffentlicht als ich noch sehr jung war, in den Niederlanden, wo ich nach meinem Studium in Amsterdam geblieben war. Die Erfahrungen waren nicht so toll. Zwischen der tollen Buchidee und dem fertigen Produkt lagen Welten. Ein Buch habe ich gar nicht mehr erkannt, als es im Buchladen lag. Das war kein schönes GefĂŒhl. Damals nahm ich mir vor, sowas nie mehr mit einem meiner BĂŒcher geschehen zu lassen. NatĂŒrlich kann ich auch heute nicht all meine tollen Buchideen eins zu eins verwirklichen. Manches geht technisch einfach noch nicht (Fliegendes Buch). Anderes wĂ€re so teuer in der Produktion, dass niemand das Buch kaufen könnte (handgemachte BĂŒcher) oder nur sehr reiche Leute und das ist ja nicht der Sinn von BĂŒchern. „Macht BĂŒcher billiger“ rief Brecht, und das habe ich nicht vergessen.  Die Kompromisse, die ich mache, um ein Buch zu realisieren, mĂŒssen zu seinem Inhalt passen. Der Geist des Buches darf nicht verlorengehen.

Daran festzuhalten ist sehr schwer, wenn ich mit Verlagen zusammenarbeiten will. Die meisten Verlage scheinen sich nicht so sehr fĂŒr den Geist eines Buches zu interessieren, sondern denken mehr darĂŒber nach, in welches Regal es passt. Kolleginnen haben von ihren Lektoren deshalb so absurde VorschlĂ€ge bekommen wie: „Machen Sie doch aus dem Protagonisten ein MĂ€dchen – dann verkauft das Buch sich besser“. „Flechten Sie noch eine Liebesgeschichte ein, sowas mögen unsere weiblichen Leser“. „Können Sie noch ein paar Tiere einbauen? Das verkauft sich im Moment gerade sehr gut“. „Wir können ihr Buch in unserem Fantasyprogramm veröffentlichen, aber dann mĂŒssen da noch ein paar Elfen oder Drachen rein“.  „Streichen Sie all die Informationen aus Ihrem Technikbuch fĂŒr Kinder – wir machen ein Kritzelbuch draus“.

Ich will keine ZugestĂ€ndnisse mehr an die QualitĂ€t meiner BĂŒcher machen. NatĂŒrlich kann man ĂŒber das Wort „QualitĂ€t streiten“. FĂŒr mich hat QualitĂ€t mit Geist zu tun.

Ein Buch, in dem Geist steckt

 

3. In meinem Tempo BĂŒcher machen

Noch ein großer Nachteil an der Zusammenarbeit mit Verlagen ist fĂŒr mich das Tempo. Verlage planen sehr langfristig und arbeiten langsam. Im Vergleich: Ein Bilderbuch von 30 Seiten, das ich in einem Monat bei bod veröffentlichen kann, braucht, wenn ich mit einem Verlag zusammenarbeite, eher anderthalb bis zwei Jahre. Dadurch kann ich nicht auf aktuelle Themen eingehen. Vor allem aber hindert das meinen kreativen Prozess. Denn ich kann in der Zeit wĂ€hrend der Verlagsverhandlungen eigentlich nicht an dem Buch arbeiten – zu groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Verlag ÄnderungswĂŒnsche hat und ich alles nochmal ĂŒberarbeiten oder gar ganz neu anlegen mĂŒsste. Ich will an meinem Projekt zeitnah arbeiten, wenn meine Begeisterung noch ganz frisch ist. Liegt das ExposĂ© schon ein Jahr in der Schublade, wenn der Verlag sich meldet, dann bin ich inzwischen vielleicht mit ganz anderen Dingen beschĂ€ftigt. NatĂŒrlich KANN ich mich an den Rhythmus der Verlage anpassen, aber ich will es nicht. FĂŒr meinen eigenen Verlag hab ich dieses Jahr  schon zwei BĂŒcher fast druckfertig gemacht, zwei weitere sind halb fertig – wenn ich wollte (und das Geld hĂ€tte) könnte ich alle dieses Jahr noch veröffentlichen. Beim Tempo motivierter SelbstverlegerInnen kann kein großer Verlag mithalten.

Schnecke mit Aufschrift Verlag

4. Gerechte BĂŒcher machen

Meine Erfahrung und die vieler Kolleginnen, mit denen ich im letzten Jahr geredet habe, ist: Die großen Verlage haben UrheberInnen immer weniger zu bieten. Denn:

  • Sie zahlen schlechter: AutorInnen, IllustratorInnen und ÜbersetzerInnen bekommen oft nur noch die HĂ€lfte von dem, was vor zehn Jahren ĂŒblich war.
  • Was frĂŒher selbstverstĂ€ndlich war, ist es jetzt nicht mehr: Marketing, Zusenden der Druckfahnen, festangestellte Lektorinnen, die Autoren ĂŒber Jahre begleiten.
  • Verlage sichern sich alle Rechte, die denkbar sind.
  • In den meisten VerlagsvertrĂ€gen steht, dass die Autorin innerhalb einer bestimmten Zeit (zum Beispiel 5 Jahre) kein Ă€hnliches Werk veröffentlichen kann, das diesem Werk Konkurrenz machen könnte. An sich aus Sicht des Verlages ein recht verstĂ€ndlicher Wunsch. FĂŒr mich als Kreative aber ungĂŒnstig.
  • Arbeite ich mit kleinen Verlagen zusammen, bekomme ich genauso wenig Tantiemen, oft nicht mal einen Vorschuss, aber muss doch alle Rechte abgeben. Zudem kommen die BĂŒcher kleiner Verlage oft genauso wenig in die meisten BuchlĂ€den wie die von Selfpublishern. Und kleine Verlage haben meist noch weniger Budget fĂŒrs Marketing als große.

NatĂŒrlich habe ich als Selfpublisherin noch weniger Budget fĂŒrs Marketing und noch mehr Probleme, in den Buchladen zu kommen, aber ich bekomme deutlich mehr Prozente vom Erlös. Ob ich am Ende am Buch auch mehr verdiene wird sich zeigen – schließlich bekomme ich bei den großen Verlagen einen Vorschuss, den ich nicht zurĂŒckzahlen muss, auch wenn sich kein einziges Buch verkauft. Aber fĂŒr mich fĂŒhlt sich das Selbstverlegen im eigenen Verlag einfach besser an. Ich kann es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, mich so schlecht bezahlen zu lassen. Wie kann es sein, dass alle VerlagsmitarbeiterInnen, BuchhĂ€ndlerInnen und Grossisten vom Handel mit BĂŒchern angemessen bezahlt werden, aber die UrheberInnen (AutorenInnen, ÜbersetzerInnen und IllustratorInnen) nicht? Da stimmt doch etwas Grundlegendes nicht.

Autorin bekommt ein kleines StĂŒck vom Kuchen – das ist im eigenen Verlag anders.

UrheberInnen sollten mehr bekommen als ein paar Prozent.

5. BĂŒcher gestalten

Vielleicht fĂ€llt mir die Entscheidung zur VerlagsgrĂŒndung leichter als anderen AutorInnen, weil ich auch Grafikerin bin. Ich weiß, wie man ein Buch fĂŒr den Druck vorbereitet. Ich kann vom Cover bis zum Klappentext alles selbst machen. Außerdem verfĂŒge ich ĂŒber ein Netzwerk, in dem sich viele tolle Lektorinnen, Marketing- und PR-Fachfrauen tummeln. Ich weiß, wo ich die kompetente UnterstĂŒtzung bekommen kann, die ich fĂŒr meine Buchprojekte brauche. Und das finanzielle Risiko und der Aufwand sind viel geringer als frĂŒher: Kleine Auflagen lassen sich heute kostengĂŒnstig drucken (Ebooks haben selbst gar keine Druckkosten) und Dienstleister wie bod oder Amazon können VerlegerInnen eine Menge Arbeit abnehmen. Dem eigenen Verlag scheint nicht mehr viel im Weg zu stehen!

 

6. BĂŒcher verschicken

Heute frage ich mich eher, warum es so lange gedauert hat, bis ich mich entschieden habe, meinen eigenen Verlag zu grĂŒnden. Vielleicht hatte ich so oft gehört, dass kleine Verlage keine Chance haben, dass ich den Wunsch gar nicht erst zugelassen habe. Vielleicht auch hat es mit meinem Bild von Verlegern zu tun – die Verleger in  meiner Erinnerung sind MĂ€nner mit runden BĂ€uchen und vollen BĂ€rten, die mit schwierigen Worten ĂŒber schwierige BĂŒcher reden. Nicht wirklich geeignet als Identifikationsfigur. Vor allem aber hab ich wohl gedacht, dass VerlegerInnen nur die BĂŒcher von anderen veröffentlichen. Und auch wenn mich das fĂŒr die Zukunft reizt, erst brennen mir ein paar eigenen Projekte auf der Leber, die unbedingt in die Welt wollen. Ich musste erst die Welt der kleinen Comics kennenlernen. Das war eine Entdeckung: Übers Netz fĂŒr ein paar Dollar oder Pfund kleine liebevoll handgemachte Comics kaufen. Die in liebevoll verpackten und signierten PĂ€ckchen dann den Weg ĂŒber den Ozean in meinen Briefkasten fanden.

Durch den BriefkĂ€sten fĂ€llt ein handbeschriftetes PĂ€ckchen: So wĂŒnsch ich mir den eigenen Verlag

Bestell doch auch mal einen Comic direkt bei einer KĂŒnstlerIn – nichts schöner, als solche Überraschungs-PĂ€ckchen.

7. Erwachsen BĂŒcher machen

Zum Schluss hat bei der ganzen inneren Diskussion aber ein Argument gewonnen: Ich bin erwachsen! Ich kann und ich will die Verantwortung fĂŒr meine BĂŒcher selber ĂŒbernehmen. Ich brauche niemanden, der mir Zustimmung gibt, ob ich etwas veröffentlichen darf. Was AutorInnen sich alles gefallen lassen! Keine MalerIn kĂ€me auf die Idee in ihr GemĂ€lde ein bisschen mehr rot oder ein paar kleine MaikĂ€fer einzubauen, nur weil ein Galerist meint, so verkaufe es sich besser. Irgendwann habe ich fĂŒr mich entschieden, dass ich als Autorin und Illustratorin genau so arbeiten will, wie meine malenden Freunde. Jetzt will ich auch als Verlegerin so arbeiten: Jedes Buch ist ein GemĂ€lde, eine Skulptur, ein StĂŒck Graffiti auf einer HĂ€usermauer. Ich habe keine Angst davor, meine Arbeiten in die Welt zu schicken. Wem sie gefallen, der möge sich an ihnen erfreuen. Wem sie zu dies oder zu das sind, der möge sie ignorieren oder nach Belieben zerreißen.

Bunte Schrittte fĂŒr den eigenen Verlag

Als Verlegerin setze ich jetzt auch auf Mut und Spaß (Illustration: Nathalie Bromberger)

 

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Ist Unternehmen schmutzig?

Nach meiner AnkĂŒndigung, dass ich Unternehmerin werden will, bekam ich eine Menge ĂŒberraschte Reaktionen von FreundInnen und BlogleserInnen. Manche waren richtiggehend entsetzt: „Das hĂ€tte ich von dir nie erwartet!“ Darin schwang etwas mit wie: „dass du jetzt zur Gegenseite wechselst“. Oder: „dass du jetzt auch eine von denen wirst“.
Ich verstehe diese Reaktionen. Denn so Ă€hnlich hĂ€tte ich vor zwei Jahren vielleicht auch noch reagiert. Wer mich besser kennt, weiß, dass ich ein Kind der 68er bin. Dass ich inmitten von Demos, FlugblĂ€ttern, besetzten HĂ€usern und großen Idealen aufgewachsen bin. Kaum konnten wir schreiben, bastelte ich mit meiner Freundin schon unsere eigenen FlugblĂ€tter. Sie waren kein großer Erfolg.

Kinder, die FlugblÀtter verteilen

(Ich fĂŒrchte unsere FĂ€higkeit, politische ZusammenhĂ€nge zu erfassen, war noch genauso begrenzt, wie unser Reimvermögen. So kam es zu dem schrecklichen Reim: “Nasenpopler und Spekulanten sind Verwandten”. Aber das Interesse der Bevölkerung an unseren Pamphleten war ebenfalls sehr eingeschrĂ€nkt. Die Zeit war eben noch nicht reif 🙂 ).

Große Ideale  habe ich immer noch und kann nichts Gutes an jenem unmenschlichen Kapitalismus finden, der die Weltwirtschaft prĂ€gt. Ich glaube ans Grundeinkommen und daran, dass jeder Mensch dieser Welt viel zu bieten hat. Ich wĂŒnsche mir, dass jeder Mensch die Chance bekommt, seine FĂ€higkeiten und TrĂ€ume wahr zu machen und unsere Welt damit zu bereichern. Geld macht nicht glĂŒcklich, Gutes tun wohl.

Und gerade, weil mir diese Themen wichtig sind, habe ich das GefĂŒhl, mich endlich ernsthaft mit dem Unternehmen beschĂ€ftigen zu mĂŒssen. Mir ist nĂ€mlich deutlich geworden, dass ich dadurch auf ganz andere Weise Verantwortung ĂŒbernehmen und in anderem Maßstab arbeiten kann.
Alles andere habe ich ĂŒbrigens auch schon probiert. NĂ€mlich:

  • mich als Angestellte, als Ehrenamtliche und im Vorstand von Non-Profit-Organisationen zu engagieren
  • als Lerntherapeutin und Coach mit Kindern und Erwachsenen arbeiten
  • zu bloggen (vor diesem Blog habe ich 5 Jahre auf begabungswerkstatt.de/ im Begabungsblog  ĂŒber Begabung, KreativitĂ€t und Lernstil geschrieben)
  • in Zusammenarbeit mit Verlagen BĂŒcher zu  machen (u.a. das „Erfinder-Kritzelbuch“).

Bei all dem blieb das GefĂŒhl, meine Möglichkeiten und FĂ€higkeiten nicht in vollem Umfang zu nutzen. Mich aus Angst oder Unsicherheit davor zu drĂŒcken, Risiken einzugehen und wahrzumachen, was mir wichtig ist. Die Arbeit in den Vereinen fand ich oft umstĂ€ndlich und zĂ€h und das BemĂŒhen um Subventionen aus öffentlicher Hand war mit viel politischer Taktiererei verbunden. Das Bloggen blieb mir zu sehr bei den Worten. Und als kleine SelbstĂ€ndige geht so viel Zeit an den riesigen Overhead meiner Mini-Organisation verloren (diesem Thema werde ich bald einen eigenen Blogpost widmen). FĂŒr die Verlage musste ich oft das aus meine BĂŒchern streichen, das mir am wichtigsten war. Ist ja auch klar: Wenn ich genau das machen will, was mir selbst wichtig ist, in dem Tempo, das mir möglich scheint, dann muss ich selbst die Verantwortung ĂŒbernehmen.

Ich trage schon so lange die Vision einer Unternehmung in mir, habe diese Ideen aber immer wieder auf die lange Bahn geschoben. Aus lauter guten GrĂŒnden, die im Endeffekt aber nur den einen verdecken sollen: Ich habe Angst! Angst zu scheitern, Angst etwas LĂ€cherliches zu tun, Angst mir selbst zu bestĂ€tigen, dass ich nicht das Zeug zur Unternehmerin habe. Vielleicht auch Angst davor, dass mein Projekt ein Erfolg wird und ich damit dann leben muss :-). Mit diesen Ängsten setze ich mich jetzt auseinander, wie das habe ich hier beschrieben.

Klar kann ich mir sagen, dass jedes Kind, dem ich in meiner Praxis helfen kann, Erfolg genug ist – aber ich weiß, dass ich mehr Menschen helfen kann, wenn ich mich traue, meine Ideen grĂ¶ĂŸer zu machen und in Produkte zu verwandeln. Genau das ist der Grund dafĂŒr, dass ich endlich versuchen will, meine Ideen als Unternehmerin umzusetzen.

UnternehmerIn werden bedeutet erst mal: Lernen. Ich habe keine Ahnung. Darum habe ich in den letzten Wochen sehr viel gelesen. Und schon eine Menge gelernt. Manches davon hat mich ganz unglaublich ĂŒberrascht. Ich hatte keine Idee davon, was der Trick beim Unternehmen ist und jetzt plötzlich verschiebt sich mein ganzes Weltbild.

ZurĂŒck zur Frage im Titel dieses Blogpost: Ist Unternehmen schmutzig? Ich glaube, dass jede Unternehmung so schmutzig ist, wie die Werte, die sie leiten. Profitorientiertes Unternehmen finde ich schmutzig und leer. NestlĂ©s Versuche, das Wasser zu privatisieren finde ich genauso widerlich wie andere Unternehmen, die Mensch oder Natur gnadenlos ausbeuten.  Aber es gibt zum GlĂŒck auch eine Menge Beispiele von Unternehmern, die andere und soziale Werte ĂŒber den Profit stellen. Wie das geht, will ich in den nĂ€chsten Wochen genauer untersuchen.

Noch mehr auf meiner To-Learn-Liste:
– Was erzĂ€hlt mir meine Angst zu scheitern?
– Welche Möglichkeiten gibt es, meine Unternehmung zu organisieren? Eignen sich manche eher als andere fĂŒr eine werteorientierte Unternehmung?
– Welche Vorbilder kann ich mir nehmen? Ich wollte mit Anita anfangen, nicht nur, weil sie eine Frau ist, auch weil sie schon vor fast 40 Jahren mit dem Body Shop eine soziale und umweltbewusste Unternehmung gegrĂŒndet hat. Und ja, dass sie an L’Oreal verkauft hat und der Body Shop heute Mikroplastik-Peeling verkauft ist traurig – aber auch daraus kann man lernen: Wie kann man die Werte einer Unternehmung so festschreiben, dass sie auch nach dem Tod der ( viel zu frĂŒh gestorbenen ) GrĂŒnderin bestehen bleiben? Ihre Biografie habe ich bestellt – Second Hand weil sie erstaunlicherweise vergriffen ist –  gibt es so wenig Interesse an Dame Anita?

Anita Roddick hat den Bodyshop gegrĂŒndet

Statt dessen habe ich jetzt das Buch von Tony Hsieh gelesen, auch sehr inspirierend. Und Gunter Pauli, auch so ein Pionier des nachhaltigen Unternehmens, steht natĂŒrlich auch auf meiner Liste von möglichen Vorbildern. Wenn euch noch welche einfallen, freu ich mich ĂŒber Tipps!

Noch mehr Fragen:
– Wie kann ich dafĂŒr sorgen, dass die Werte nicht nur auf dem Papier stehen, sondern alle Aspekte der Unternehmung durchdringen?
– Ist es lĂ€cherlich, einen Satz wie den gerade aufzuschreiben, wenn meine Unternehmung bisher nur in meinen Gedanken besteht?

[box] *Auch eine interessante Frage: Warum es vorallem Frauen sind, die Unternehmen schmutzig finden? Und ob das damit zu tun hat, dass Frauen stĂ€rker an Werten orientiert sind? Oder ob das Unternehmen-schmutzig-finden auch ein bisschen Vorwand ist, mit dem man sich die beĂ€ngstigende Business-Welt auf Abstand halten kann? Ich glaube bei mir war das wohl so…[/box]

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Eine neue Art Business-Plan

Ich mache es dieses Mal anders: Ich grĂŒnde erst und dann kommt der Business-Plan. Weil ich gemerkt habe, dass ich mit einem normalen Business-Plan nicht viel anfangen kann – dazu gleich mehr. Mir ist klar geworden, dass ich eine neue Art Business-Plan erfinden muss, eine die zu mir, meinem Denken und meinen Werten passt. Und das kam so:

Mit 30, ich war Mutter von zwei kleinen Kindern und lebte in Amsterdam, wollte ich eine Firma grĂŒnden. Ich hatte neben dem Studium in verschiedenen kleineren Organisationen gearbeitet und gemerkt, dass dort viel Beratungsbedarf bestand, man die Kosten fĂŒr eine ausfĂŒhrliche Unternehmensberatung aber scheute. Bei der Amsterdammer Handelskammer stellte ich meine Idee vor: Unternehmensberatung im Abo oder per Zehnerkarte. Zwei gestandene Unternehmer saßen mir gegenĂŒber und waren begeistert. Mit ein paar Tipps zur GrĂŒndung und dem Rat, die Preise nicht zu niedrig anzusetzen, wurde ich ins Unternehmertum verabschiedet.
Nathalie bei mit zwei GrĂŒnderberatern, die ihr Tipps geben
Mir war mulmig. Das sollte alles gewesen sein?
Ich meldete mich fĂŒr ein Unternehmertraining an der UniversitĂ€t an, ein spannender Kurs zu dessen Abschluss wir unseren Business-Plan prĂ€sentierten. Es war erstaunlich: Ich konnte eine Jury aus Bankern und Unternehmern von meinem Vorhaben ĂŒberzeugen! Ich bekam viel Beifall, ein paar praktische Tipps und eine Menge vĂ€terlicher RĂŒckenklopfereien.
Nur ich selbst war immer noch nicht ĂŒberzeugt.

Damals dachte ich, ich wĂ€re schlichtweg feige. Aber inzwischen finde ich es sehr verstĂ€ndlich, dass ich Muffensausen bekam. Denn ich hatte keine Ahnung vom Unternehmertum. Ich hatte einen Businessplan mit ein paar Excel-Tabellen und einer Mission. Aber ich konnte mir nicht vorstellen, wie meine Tage als Unternehmerin aussehen wĂŒrden. Was tut man als GeschĂ€ftsfĂŒhrerin einer Zehnerkarten-Firma so? Wie bekommt man AuftrĂ€ge? Wie schreibt man Rechnungen?

Logo und Visitenkarte - danach nur noch Fragezeichen

Vor allem aber fehlten mir Bilder:

 

Mir fehlten Bilder vom Unternehmertum

Meine Eltern sind Ärzte und mein Bild vom Unternehmen sah daher lange so aus: Man hĂ€ngt ein weißes Schild ans Haus und dann kommen die Leute von selbst. Mir war zwar klar, dass das bei einer Unternehmensberatung nicht ganz so funktionieren wĂŒrde – aber ich konnte das Bilder-Vakuum nicht fĂŒllen.
Der einzige echte Unternehmer, den ich in meiner Jugend kannte, war mein Opa. Er stellte Mobilheime her, HolzhĂ€user auf RĂ€dern, aber fĂŒr mich bestand seine Unternehmung vor allem aus jenem von mir sehr geliebten Feriendorf am Pulvermaar. Am Ende der Ferien, kurz vor der Abfahrt, machte er immer eine Runde entlang der Duschautomaten. Mit einem kleinen SchlĂŒssel öffnete er die Automaten und ich durfte die unendlich vielen Eine-Mark-MĂŒnzen herausholen. Einmal hat er die MĂŒnzen in der Eile in die Tasche seines Sakkos gesteckt. Auf dem Autobahnparkplatz trat ich ihm aus Versehen auf seinen Gischt-Zeh und er sprang vor Schmerzen in die Höhe. Dieses Bild – ein Regen von Eine-Mark-MĂŒnzen, der sich ĂŒber den Parkplatz ergießt – so sah ich als Kind das Unternehmertum. Dass das Feriendorf eher ein Herzensprojekt neben anderen, lukrativeren Einnahmequellen war, ist mir erst spĂ€ter klar geworden.

Mir fehlten Bilder von mir als Unternehmerin

Die Banker und Unternehmer, die meinen Business-Plan so bejubelt hatten, waren alles MĂ€nner. MĂ€nner in AnzĂŒgen. MĂ€nner, die mit Worten wie Gewinnmaximierung und Wachstum um sich schmissen. Damals fiel mir zwar auf, dass ich nur MĂ€nner als Berater hatte, aber ich zog daraus keine SchlĂŒsse, machte mich nicht auf die Suche nach weiblichen Vorbildern. Oder nach MĂ€nnern in Jeans, nach UnternehmerInnen, mit denen ich mich identifizieren konnte.
Ich war zu unsicher, zu sehr in Ehrfurcht. Dabei waren diesem MĂ€nner von meinem Leben so weit entfernt, dass mir ihr Rat wie Geschichten aus fernen LĂ€ndern vorkam. Ihr Lob war fĂŒr mich nicht glaubhaft, weil es nichts mit mir zu tun haben schien. Und an ihren RatschlĂ€gen zweifelte ich. Zurecht, denn sie hatten sich nicht die MĂŒhe gemacht, mich und meine Motive, mein Vorwissen und meine Erfahrungen kennenzulernen. Ihr Urteil hatte sich allein auf die Zahlen und Slogans in meinem Business-Plan bezogen.

Mir fehlten Bilder von meinem Herzbizz

Nicht nur Bilder fehlten mir – auch die Werte machten mir zu schaffen. Als ich den Herren im Anzug von meiner Leidenschaft fĂŒr Not-for-Profit-Organisationen erzĂ€hlte, lĂ€chelten sie mitleidig und rieten, mir das aus dem Kopf zu schlagen. Aber das wollte ich nicht.
GrĂŒnderberatung und blutendes Herz
Mir war immer schon klar, dass ich nur auf eine Weise unternehmen kann, die zu meinen Werten passt. Nur wie das geht, davon hatte ich keine Ahnung. NatĂŒrlich hatte ich genug Organisationen erlbt, die nur durch die Selbstausbeutung ihrer Mitarbeiter ĂŒberlebten. Und jede Menge Herzblut-Unternehmen, die durch Nebenberufe bezuschusst wurden. Das wollte ich nicht. Ich wollte mit meiner Unternehmung meinen Lebensunterhalt verdienen und dennoch meinen Werten treu bleiben. Ende der Neunziger Jahre kannte ich solche Unternehmungen noch nicht. Heute gibt es viele Beispiele von Betrieben, die andere Ziele haben als Gewinnmaximierung. Ich finde das beruhigend und inspirierend.

Ich brauche eine neue Art Business-Plan

Ich kann wohl Business-PlĂ€ne schreiben die andere ĂŒberzeugen – jetzt will ich einen machen, an den ich selbst auch glauben kann. Einen inneren Business-Plan der meinen Werten gerecht wird und ein Bild von meiner Unternehmung malt, das ich mir wirklich vorstellen kann. Zahlen und Business-Slang reichen dafĂŒr nicht. Damit er zu mir passt, muss der Business-Plan visuell und farbig sein, meinem kreativen Hirn entsprechen und mein Herz berĂŒhren. Und dieser Plan wird hier in diesem Blog wachsen. Ich freue mich auf dieses Abenteuer!

[box type=”shadow”]Was sind deine Erfahrungen mit Unternehmen? Welches Bild hast du von dir als UnternehmerIn? Und hast du schon mal einen Business-Plan geschrieben, der dich selbst ĂŒberzeugt hat? [/box]

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Unternehmen lernen – live im Blog

Ha, die Auto-Korrektur macht aus “Unternehmertum” “Unternehmertun“. Das ist ein schönes Wort und genau darum geht es ab heute in meinem Blog: Unternehmertum in der Praxis – es tun.
In meinem Leben habe ich schon öfter mit Unternehmen kokettiert: eine Beinahe-GrĂŒndung hier, eine halbe GrĂŒndung dort. Und ich bin ja schon lange Freiberuflerin und dadurch auch irgendwie Unternehmerin, aber eben nur ein bisschen. Das soll sich Ă€ndern. Ich werde jetzt Vollblutherz-Unternehmerin.
Gerade habe ich einen Verlag gegrĂŒndet. Er heißt Zacken-Verlag und ich freu mich riesig.

keynesianische Doppelhelix

 

Gibt es das Unternehmer-Gen?

Kinder von UnternehmerInnen werden oft selbst auch unternehmerisch erfolgreich. Ich hab mich lange gefragt, ob es ein Unternehm-Gen gibt, das mir fehlt, weil meine Eltern es mir nicht vererben konnten. Aber inzwischen weiß ich, dass GeschĂ€ftsbegabung nicht ĂŒber das Erbgut ĂŒbertragen wird. Was die Kinder von UnternehmerInnen anderen Menschen voraus haben, sind Bilder. Sie haben realistische Bilder vom Unternehmen – nicht mythische Vorbilder wie Steve Jobs oder Richard Branson – sondern Bilder von ganz normalen UnternehmerInnen im ganz normalen Alltag. Sie wissen, welche Entscheidungen diese tagtĂ€glich treffen mĂŒssen, welche Kriterien sie dabei abwĂ€gen, wie sie mit Hindernissen oder Krisen umgehen und wie das mit dem „Gewinn erzielen“ praktisch geht.

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Auf ins Abenteuer. Kommst du mit?

Herzlichst,
deine Nathlieb

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