Warum deine kreative Vision immer wieder aufgetankt werden muss.

Als ich merkte, dass meine Zweifel immer dann auftauchen, wenn ich meine kreative Vision nicht mehr spüre,, da  dachte ich, der Rest wäre easy: Einfach ein wiederbelebendes Visions-Bad nehmen und schon ist alles wieder gut.

Kreative liegt in der Badewanne und hat eine Vision

Visions-Essenz jetzt auch mit Rosenduft

Aber so einfach war es dann doch nicht. Denn die Flasche mit der Visions-Bade-Essenz schien immer genau dann leer zu sein, wenn ich sie am allerdollsten brauchte. Ich würde mir da also selber was zusammenbrauen müssen. Das Problem war nur, dass ich, einmal in der Zweifelwolke gefangen, nur noch Zweifel im Kopf zu haben schien. Und aus Zweifeln lässt sich nur schwer ein erquickendes und revitalisierendes Tonikum herstellen. Meine Vision sah aus der Wolke heraus auch  gar nicht mehr toll aus. Sie wirkte blass und fadenscheinig. Eher wie eine Fata Morgana, die beim Näherkommen zerfallen würde, als wie ein funkelndes inneres Ziel. Wie konnte ich eine Vision wiederbeleben, an die ich in dem Moment gar nicht mehr glaubte?

Aber warum war es dann in anderen Momenten so einfach, wieder an meine kreative Vision zu glauben?  Ich hatte das ja schon oft erlebt, wie sich die Zweifelwolke von einer Sekunde auf die andere auch wieder verziehen kann und Vision und Begeisterung ganz plötzlich wieder da sind. Es war, als wäre die Vision gar nicht wirklich weg gewesen, sondern nur nicht sichtbar. Als wäre der Teil meines Hirns, der für Visionen zuständig ist,  manchmal benebelt. Oder als hätte wäre mein Hirn in ein falsches Programm gerutscht, mit dem Visionen nicht zu erkennen sind.

Waschmaschine im Kopf zeigt Warnmeldung ERROR an

Hilfe, ich habe den falschen Knopf gedrückt!

Erst kam mir dieser Gedanke albern vor. Quatsch, es gibt doch keine Programme im Hirn? Aber dann fiel mir ein, was ich so alles über Kreativität und das Hirn weiß. Und doch: Es gibt wirklich verschiedene Programme in unserem Gehirn

 

Das Visionsprogramm

Durch meine Arbeit als Lerntherapeutin habe ich mich viel damit beschäftigt, was im Gehirn beim Lernen und Arbeiten vor sich geht. Und gerade erst hatte ich eine sehr spannendes Buch gelesen, in dem Forschungsergebnisse zum Gehirn von Legasthenikern beschrieben wurden. Und da Legastheniker sehr kreativ sind und stark divergent denken, sind viele der in diesem Buch beschriebenen Studien auch für andere Kreative interessant.

In diesem Zusammenhang hier ist vor allem das wichtig: Visionen sind eine Angelegenheit des divergenten Denkens, grob gesagt also der Prozesse, die in der rechten Hirnhälfte stattfinden. Die linke Hirnhälfte kann vieles, aber Kreativität nicht. Und Visionen eben auch nicht. Das konvergente Denken kann Fakten und Analysen, kann Pünktlichkeit und Objektivität. Aber es kann sich nur vorstellen, was es schon mal gesehen oder gehört hat. Es kann das bestehende Wissen sortieren, bewerten und ordnen, alles sehr praktisch. Aber es kann eben nicht weiter denken als das, was schon besteht. Während das divergente Denken genau hier seine Stärken hat: Visionen entwickeln, Neues erfinden, Geschichten erzählen, Trends vorhersagen.

Rechte Hirnhälfte strahlt miit Vision

Wo Visionen entstehen

Die beiden Programme in unserem Gehirn sind das konvergente und das divergente Denken. Paivio hat das auch tatsächlich “Double Coding” genannt – also quasi die zwei Programmiersprachen in unserem Hirn. Die nicht immer gut zusammenarbeiten :-).

Wenn ich Probleme mit meiner Vision habe, dann bin ich tatsächlich im verkehrten Modus unterwegs. Bin im Zweifelmodus des konvergenten Denkens gelandet. Denn darin glänzt die linke Hirnhälfte: Kritikpunkte finden, an allem zweifeln, was nicht bewiesen ist, an allem zweifeln, was sie nicht mit eigenen Ohren gehört oder mit den eigenen Augen gesehen hat. In diesem Modus bin ich blind für meine eigene Vision!

Kreative hört die Vision nicht rufen

Im falschen Modus unterwegs

Divergente Denker in einer konvergenten Welt

Warum bleibe ich dann nicht einfach die meiste Zeit in der rechten Hirnhälfte? Das wäre doch leichter für die kreative Arbeit? Weil unsere Welt so unglaublich konvergent ist, dass es sehr schwer ist, nicht immer wieder aus dem kreativen Modus rauszufallen. Wenn Pünktlichkeit und Ordnung mehr zählen als kreative Lösungen, dann versucht das Denken eben, auf den Wegen zu bleiben. Wenn wir alles, was wir tun, danach beurteilen, ob es sich verkaufen lässt, können wir gar nicht ins kreative divergente Hirn wechseln. Denn wenn ich etwas tun will, das sich garantiert verkaufen lässt, dann muss ich etwas kopieren, das es schon gibt. Nur dann habe ich eine Garantie, dass das Produkt meiner Anstrengung “etwas wird”. Und wenn ich so denke, dann kann auch die tollste, schillerndste Vision von etwas Neuem nicht bestehen. Denn mein konvergentes Mäkelhirn wird immer etwas finden, das daran nicht “in Ordnung” ist. Nicht so ist, wie die schon bestehenden Dinge. Mein konvergentes Hirn findet alles, was von der Norm abweicht, suspekt.

Linke Hirnhälfte ruft: Was ich nicht kenn, das schmeckt mir nicht

Die linke Hirnhälfte mag keine Abenteuer

Und jetzt wird meine rechte Hirnhälfte langsam unruhig. Ist ja schön und gut als das Wissenschaftszeugs. Aber wie krieg ich Nathalie dazu, dass sie ihre kreative Vision wieder spürt? Kitzeln hilft nicht, zwicken auch nicht, alles schon probiert. Aber meine rechte Hirnhälfte wäre nicht die rechte, wenn sie nicht gleich ein paar Ideen produzieren würde, Denn das kann sie: Aus einem klitzekleinen Ansatzpunkt so viel wie möglich Ideen erzeugen. Gib ihr ein Problem und sie sprüht nur so vor Lösungen. Und Geschichten. Und kreativen Visionen.

Und plötzlich hatte ich da so eine Vision: Ich brauchte etwas, womit ich meine Vision so festhalten konnte, dass ich sie auch im Zweifelmodus erkennen konnte. Womit ich eine schlapp gewordene Vision wieder auftanken konnte. Ich brauche eine Visons-Tankstelle. Mit Super-Visionskraftstoff. 

An der Tankstelle den Visions-Kraftstoff tanken

Visions-Kraftstoff

Super-Kraftstoff für deine kreative Vision

Und als ich meiner Vision so zuhörte (mit der rechten Hirnhälfte natürlich, also mit dem linken Ohr), da wurde mir gleich noch etwas anderes klar: Meine Vision ist einer der beiden Motoren, die mein kreatives Raumschiff vorwärts treiben. Und wenn meine Vision ein Motor ist, dann braucht sie auch Sprit. Alles sehr logisch und wissenschaftlich. Und sogar für meine linke Hirnhälfte sehr verständlich. Die hat sich allerdings gleich in die Bibliothek verzogen, um nach erprobten Zusammensetzungen für Raumschiff-Kraftstoffe zu suchen. Ich hoffe sie bleibt noch eine Weile dort, dann kann ich inzwischen meinen eigenen Kraftstoff brauen. Denn ich weiß, dass nichts was meine linke Hirnhälfte produziert, meiner Vision auf die Sprünge helfen kann. Ich brauche einen Kraftstoff, der speziell für meine rechte Hirnhälfte entwickelt ist. Damit er auch dann wirkt, wenn ich mit meinem Raumschiff in der kreativen Galaxie unterwegs bin. Und dafür sorgt, dass die Zweifel mich gar nicht erst in ihre Wolke reinziehen können.

Ein Kessel voll Kraftstoff für kreative Vision

Da brodelt was…Was die rechte Hirnhälfte mag und braucht und was du für deinen Visions-Kraftstoff brauchst, erzähle ich beim nächsten mal. Aber falls du gerade eine kreative Vision hast, eine neue Idee, die in dir kribbelt oder am Horizont funkelt, dann nimm dir doch ein bisschen Zeit, ihr nachzuspüren. Wo kribbelt es? Was funkelt da genau? Wie fühlst du dich, wenn du an das fertige Produkt/ Projekt / Buch denkst? Erkunde deine Begeisterung – sie ist eine wichtige Zutat für deinen Kraftstoff.

 

 

 

Warum ich meine Zweifel erst mal ins Wartezimmer setze

Logo gegen ZweifelDie Idee mit dem Wartezimmer kam mir, weil das mit der einsamen Insel nicht geklappt hat. Vor Jahren, als ich in einer großen Wolke von Zweifeln gefangen war, las ich in einem Forum den entzückenden Vorschlag, Zweifel auf eine Insel in Urlaub zu schicken. Die Idee ging ungefähr so: Stell dir ein Ferien-Resort vor, wo deine Zweifel sich richtig gut vergnügen können und dann lassen sie dich in Ruhe. Ich fand die Idee klasse, aber sie funktionierte nicht.

Elefant bläst Herzchen

 

Zweifel ignorieren

Nicht an Zweifel denken ist wie mit den rosa Elefanten:  Wenn man versucht, sie zu ignorieren, drängen sie sich nur immer lauter in unsere Gedanken.  Oder sie schleichen sich auf anderen Wegen wieder in unser Bewusstsein und sind in der Zwischenzeit noch größer und gefährlicher geworden. Gefühle wegschieben kann durchaus hin undwieder funktionieren, aber nur dann, wenn sie nicht dringend sind. Die meisten Zweifel sind aber dringend, denn sie entstammen Ängsten und Sorgen und sind ein Teil von uns.

Ein Teil von mir

Das war für mich eine der vielen wunderbaren Erkenntnisse im Laufe meiner Gestaltausbildung: Unsere Ängste und Zweifel sind Teile von uns selbst. Und es sind Teile, die wichtig für unsere Persönlichkeit sind, die uns etwas erzählen wollen. Sie sind nicht vom Himmel gefallen, sondern entstammen unserer Erfahrung. Deshalb sollten wir nicht versuchen, sie aus uns rauszuschneiden und loszuwerden. Das geht nicht und täte uns auch nicht gut. Wir würden damit auch wichtige Aspekte unserer Person über Bord werfen.

Andererseits merkte ich aber auch, dass es keinen Sinn hat, mich mit den Zweifeln zu beschäftigen, wenn sie schon zugeschlagen hatten. Denn dann beherrschten sie mein Denken und wirkten real. Das habe ich überhaupt lange gedacht: Dass Zweifel meinem Realitätssinn entstammen. Dass sie mich auf die Wahrheit aufmerksam machen. Und ich ihnen womöglich noch dankbar sein soll, weil sie mich davon abhalten, naiv meiner Begeisterung zu folgen. Bringt man uns das nicht auch an allen Ecken und Enden bei, dass wir uns für Kritik öffnen, unsere Pläne erst mal objektiv betrachten und von allen Seiten beleuchten, bloß nicht naiv loslegen sollen?  Sind Zweifel also nicht das, was uns vorm Scheitern bewahrt? Nein, das ist Quatsch. Denn der größte Teil der Zweifel ist nicht real. Sie haben gar nichts mit der Idee zu tun. Sie entstammen Ängsten und Sorgen, die gar nichts mit dem Projekt zu tun haben!

Das fiel mir aber erst auf, als ich mir die Zeit nahm, nicht nur einzelne Zweifel zu betrachten, sondern mein ganzes Zweifelverhalten. Und dabei entdeckte ich ein Muster, ich nenne es den Tanz der Zweifel.

Zweifel tanzen

Der Tanz der Zweifel geht so:

Am Anfang war ich ganz und gar begeistert von einer Idee. Ich spürte deutlich wo ich hin wollte – die Vision in meinem Kopf leuchtete ganz hell.

Die Anfangsbegeisterung

(Was nicht bedeutet, dass die Vision auch klar und deutlich wäre, aber dazu ein ander mal mehr).

Doch dann kamen die Zweifel. Ein Zweifel führte zum nächsten. Und irgendwann sagte ich mir, dass ich mich wohl vertan hatte: Die Idee war gar nicht so toll! Sie schien mir nur am Anfang so, weil ich noch naiv war und nicht die ganze Wahrheit kannte.

DIe Idee in die Schublade legen

Und ich legte mein Projekt zur Seite und widmete mich etwas anderem.

Aber dann,

nach einer kürzeren oder längeren Weile, fing die Idee wieder in mir zu kribbeln an. Nur so ganz leicht, gerade so viel, dass ich sie mir mal wieder anschauen wollte.

Die Idee wieder aus der Schublade holen

Und jetzt kommt das Erstaunliche: Wenn ich meine Idee wieder aus der Schublade holte, waren die Zweifel verschwunden! Oder schienen plötzlich ganz unwichtig. Ich konnte jetzt gar nicht mehr verstehen, warum ich das Projekt weggelegt hatte, die Idee war doch klasse! Voller Hoffnung und Elan stürzte ich mich in die Arbeit an meinem Projekt.

Aber dann, nach einer kürzeren oder längeren Weile (meistens schneller als beim ersten mal) kamen mir wieder Zweifel.

Zweifel bei der kreativen Arbeit

Und so ging es weiter. Der Tanz der Zweifel ist nämlich ein Rundentanz.

 

Der Durchbruch

Den Tanz der Zweifel zu erkennen, war für mich der Durchbruch. Denn ich begriff jetzt, dass die Zweifel nicht von der Realität erzählten. Es war nicht so, dass ich am Anfang naiv war und dann durch die Zweifel die negativen Aspekte meiner Idee ans Licht kamen. Denn wenn ich wieder im Begeisterungsmodus war, löste sich der größte Teil der Zweifel ins Nichts auf. Und nicht, weil ich sie dann ignorierte. Sondern weil meine Vision wieder leuchtete und mich wieder an das erinnerte, was wirklich wichtig war. Was so besonders und inspirierend an meiner Idee war.

Und die paar kleinen Zweifel, die dann noch blieben, erfuhr ich jetzt nur noch als Erinnerungen an ein paar kleine Probleme, die ich noch lösen musste. Klar musste ich noch darüber nachdenken, ob das Buch nicht zu teuer werden würde und ob ich es in drei Teile oder vier aufteilen würde. Aber das waren Detailfragen. Es waren keine Zweifel an der Vision selbst. Die leuchtete mir wieder hell meinen Weg.

Eine klare Vision

Denn genau das war in der Zweifelwolke geschehen: Ich hatte die Vision aus dem Blick verloren. Sie hatte mir nicht mehr den Weg geleuchtet. Und darum war ich im Dunkel wie ein blindes Huhn hin und her gerannt, hatte mal ein bisschen in der Richtung gesucht und dann wieder in der anderen und war dabei im Kreis gelaufen bis mir schwindelig war und ich gar nichts mehr sicher wusste. Ich hatte den Kontakt mit meiner Vision verloren und damit das, was mir Energie und Mut gab, was mir die Richtung weisen und Antworten geben konnte.

Ohne meine Vision hatte ich an den falschen Stellen nach Antworten gesucht: mir die Bücher von anderen angeschaut oder Schreibratgeber gelesen, KollegInnen um Rat gefragt oder im Internet gesucht. Und klar können mir Gespräche mit KollegInnen oder Schreibratgeber manchmal helfen. Aber nur, wenn ich meine Vision noch im Blick habe!

Wenn ich Zweifel habe, dann hilft nur eins: Schauen, ob meine Vision noch leuchtet und was sie mir zu den Fragen der Zweifel antwortet.

ich bin deine Vision und ich sage dir

Und wenn meine Vision nicht mehr leuchtet, dann hilft nur eins: Sie wieder aktivieren und wieder zum Leuchten bringen.

Und hier kommt das Wartezimmer ins Spiel. Es gibt mir die Zeit, mich erst um meine Vision zu kümmern, bevor ich den Zweifeln zuhöre.

 

Eine Pause für die Zweifel

Ich schicke meine Zweifel also nicht weit weg auf eine einsame Insel, sondern lade sie ins Wartezimmer ein. Dort gibt es alle nur erdenklichen Angenehmlichkeiten, sodass auch der ungeduldigste Zweifel es da doch eine Weile aushalten kann: Schlaftee und Wärmflasche,  Hypnosepirale und Meeresrauschen, den langweiligsten Roman aller Zeiten und romantische Schlaflieder. Und das gibt mir alle Gelegenheit, sie zu beobachten und zu sezieren, zu analysieren und zu interpretieren. Dafür habe ich natürlich auch eine Methode entwickelt: ein praktisches Zweifel-Analysier-Instrument, dazu bald mehr.

Bis dahin kannst du dir ja selbst schon mal ein Wartezimmer für deine Zweifel basteln. Ganz nach deinen eigenen Ideen oder mit meinem Bastelbogen.

 

Der Bastelbogen

Das Wartezimmer gibt es als Bastelbogen in zwei Farbgebungen (auch Zweifel haben da so ihre Vorlieben) und mit vielen praktischen Gegenständen, die du nach deinen eigenen Wünschen kombinieren und mit einer persönlichen Note ergänzen kannst. Und natürlich ist das Wartezimmer auch ein tolles Geschenk für kreative Menschen, die auch manchmal von Zweifeln geplagt werden (und wer wird das nicht? ).

Das blaue Wartezimmer mit vielen Details, wie Wärmflasche, Tasse und Bilderrahmen

P.S. Wer mag kann das Wartezimmer auch selber ausmalen! Bestell dann den schwarz-weißen Bastelbogen.

 

 

 

 

 

 

Warum haben so viele Hochbegabte und Kreative ein negatives Selbstbild?

Ich beschäftige mich schon länger mit der Frage, warum so viele wunderbare Menschen trotz ihrer vielen Begabungen ein negatives Selbstbild haben. Wenn Erwachsene sich für ein Coaching anmelden, wird das oft schon beim ersten telefonischen Kontakt deutlich. “Ich krieg nichts hin”,  sagen sie. Oder “Ich passe nirgendwo rein”. “Ich kann mich einfach nicht anpassen”. Wie oft habe ich solche Sätze, nicht gehört? Und wie oft stellt sich beim Coaching dann heraus, dass diese unsicheren Wesen durchaus sehr viel “hingekriegt” haben: Ein Studium abgeschlossen, vielleicht sogar einen Doktortitel, Erfahrung in verschiedenen Berufen, Reisen, soziales Engagement. Vor mir sitzen Menschen mit vielen Begabungen und Fähigkeiten. Aber sie sind nicht stolz auf ihre Leistungen, nicht zufrieden mit sich selbst. Woher kommt dieses negative Selbstbild?

Sich “anders” erfahren

Interessanterweise habe ich auch mit Kindern verschiedener Altersstufen gearbeitet und konnte beobachten, wie sich das Selbstbild dieser jungen Begabten im Laufe der Zeit änderte. In meinen Erfinderkursen hatte ich mit 5 bis 12jährigen zu  tun und als Lerntherapeutin habe ich mit 7 bis 15jährigen gearbeitet. Dabei fiel mir auf, dass die jungen Kinder oft noch ein sehr positives Selbstbild hatten. Gerade die kleinen Hochbegabten waren voller Elan und großer Pläne, fühlten sich kompetent und hatten wenig Zweifel an ihren Fähigkeiten. Ein paar Jahre später war das schon anders: Spätestens beim Eintritt der Pubertät erfuhren die meisten dieser Kinder sich  selbst auf negative Weise als “anders”. Wenn die Grundschulzeit nicht so gut verlief, fingen die Selbstzweifel aber auch schon mit sieben oder acht Jahren an. Irgendwann im Laufe ihres jungen Lebens bekommen wohl sehr viele begabte und kreative Kinder das Gefühl, sich nicht wie andere verhalten zu können. Die Umgebung spiegelt ihnen ihr Anderssein und es fällt ihnen selbst auf. Schließlich haben viele von ihnen besonders gute soziale Antennen. Immer wieder merken sie, dass sie nicht wie ihre Altersgenossen sind. Dass sie nicht “dazu gehören”. Und das werfen sie sich vor. Sie finden sich zu ruhig oder zu laut, zu frech oder zu brav, zu ängstlich oder zu dominant. Und manchmal beide dieser Pole: Im Allgemeinen fühlen sie sich zu zurückhaltend, aber wenn sie dann mal was sagten, finden sie sich sofort wieder zu auffällig, zu anwesend.

Als “anders” definiert werden

Nun spielt sich all das nicht nur im Gehirn der jungen Begabten ab. Die Umgebung tut auch ihr Bestes, die begabten Kinder zu verunsichern. Denn Eltern, KindergärtnerInnen und Lehrkräfte spüren auch, dass das Kind, das vor ihnen steht, “anders” ist. Eltern reagieren oft mit Verunsicherung, wenn sie solche Spuren von “Anderssein” an ihrem Kind entdecken. Wahrscheinlich, weil sie sofort vermuten, dass an ihrem Kind etwas “falsch” sein könnte.  Ich weiß noch, wie verunsichert ich als junge Mutter war, wenn ich mit anderen Müttern und Kindern zusammensaß und die anderen Babys sich zufrieden auf den Schößen ihrer Mütter räkelten, während meine Tochter schon mit 6 Monaten alle Ecken des Zimmers erkundete, vollkommen uninteressiert an ihrer Mutter. Mir kamen damals auch Gedanken wie: “Mache ich etwas falsch, dass sie nicht bei mir auf dem Schoß sitzen will?”.
Lehrkräfte und KindergärtnerInnen merken auch, dass das Kind “anders” ist und in vielen Fällen scheinen dann leider sofort die Alarmglocken in den Köpfen der Erzieher loszugehen. Wie oft landeten nicht Kinder bei mir in der Lerntherapie, weil die Lehrkräfte vermuteten, dass diese Kinder “sozial unreif” seien oder eine Lernstörung hätten. Nur weil sie erst mal aus der Ferne zuschauen wollten, bevor sie bei einer Gruppenaktivität mitmachen wollten. Oder weil ein Junge nicht zurückschlug.
Solche Momente, in denen ihnen die Umgebung spiegelt, dass sie anders sind,  prägen das Selbstbild begabter und kreativer Menschen. Und es gibt unzählige solcher Momente.

Nicht wissen, warum

Dass die Umgebung den Kindern spiegelt, dass sie “anders” sein, müsste nicht zu einem negativen Selbstbild führen. Wenn wir in einer Kultur leben würden, in denen es selbstverständlich ist, dass alle Menschen anders und einzigartig sind, würde ein Kind, das sich als anders erfährt, vielleicht nur mit den Schultern zucken und weiter spielen. Doch so weit sind wir längst noch nicht. Unausgesprochen herrschen immer noch jede Menge Vorstellungen davon, was “normales Verhalten” ist.  Und hochbegabte und kreative Kinder entwickeln sich in manchen Punkten ja tatsächlich anders als die Mehrzahl der Altersgenossen. Viele spüren früher eine eigene Motivation, entwickeln früher eine eigene Moral und hinterfragen Autoriät. Das Problem ist nicht, dass diese Kinder sich anders verhalten, sondern dass sie nicht wissen, warum sie es tun. Weil wir ihnen nicht erklären, was mit ihnen “los” ist, ziehen sie ihre eigenen Schlüsse. Sie vergleichen sich mit anderen und stellen fest, dass sie selbst nicht der Norm entsprechen. Da wir ihnen kein anderes Erklärungsmodell geben, bleibt ihnen nur, sich selbst als “falsch” zu beurteilen.

“Falsch” sein

Dieses Gefühl “falsch” zu sein zieht sich bei vielen begabten Menschen dann durch ihr ganzes Leben. Sie sind sich selbst suspekt und unheimlich. Sie hassen sich, weil sie es nicht schaffen “normal” zu sein. Sie wünschen sich “eine andere” zu sein. Wollen all die Eigenschaften, die sie als “falsch” erfahren loswerden. Und sind daher in einem fortwährenden Zweikampf mit sich selbst. Versuchen, das “falsche” Selbst zu unterdrücken und sich ein anderes zu erarbeiten. Damit unterdrücken sie aber auch das, was ihre Persönlichkeit ausmacht. Fragen, die sie treiben. Kräfte, die in die Welt wollen. Wünsche, die aus dem Herzen kommen. Indem sie ihre wahre Persönlichkeit unterdrücken, unterdrücken sie das, was ihnen Energie gibt, was sie lebendig macht. Daher stammt das Gefühl “nichts” hinzukriegen: Sie kriegen viel hin, aber nicht das, was sie eigentlich tun wollen, was in ihrem Innern funkelt und glüht und sich äußern möchte. Weil sie sich selbst so einschränken, kriegen sie aber auch das nicht hin, was sie von sich erwarten: Sie kriegen Ärger mit Kollegen oder Chefs. Sie wechseln immer wieder den Job und machen dadurch nie die Karriere, die ihren Fähigkeiten entsprechen würde. Sie gründen eine Unternehmung aber geben nach kurzer Zeit auf, weil sie von Selbstzweifeln überrannt werden.

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Verborgene Begabungen

Erst wenn begabte Menschen erkennen, dass das, was ihnen bisher an ihrer Persönlichkeit “falsch” schien, nicht nur in Ordnung ist, sondern direkt mit ganz wunderbaren Fähigkeiten zusammenhängt, können sie anfangen, sich selbst wertzuschätzen. Allmählich verschwinden dann die Kratzer und Brüche im Selbstbild und entsteht ein neues Selbstbild. Eins, das nicht auf Vorstellungen von “Normalität” baut, sondern genau das abbildet, was ihrer einzigartigen, schillernden Persönlichkeit entspricht. Dafür aber brauchen sie Bilder und Worte. Bilder und Worte für all jene Aspekte ihrer Person, die sie bisher nicht erkennen konnten. Eigenschaften, die bisher nur negativ definiert waren, bekommen eine neue Bedeutung, wenn wir sie im Zusammenhang mit den dahinter verborgenen Begabungen sehen:

  • Ein Kind, dass starke soziale Antennen hat, genau fühlt, was in Gruppen vor sich geht oder die Gefühle von anderen Menschen spüren kann, ist natürlich “zurückhaltend”. Denn es bekommt in einer Gruppe so viele Informationen, dass es eine Weile braucht, um diese Informationen zu verarbeiten.
  • Hochbegabte Kinder nehmen oft schon in jungem Alter viele Gefahren wahr. Sie haben aber noch nicht die Erfahrungen von Erwachsenen und wissen daher nicht, welche Gefahren wahrscheinlich sind. Solche Kinder werden oft als “zu ängstlich” beschrieben. Aber aus dem Wissenshorizont des Kindes können diese Ängste durchaus vernünftig sein.
  • Kreative Kinder hören von der Umgebung oft, dass sie chaotisch, unordentlich oder unkonzentriert sind. In Wirklichkeit aber folgen sie oft einer anderen Ordnung. Sind in ihren kleinen Köpfen schon mit großen kreativen Themen beschäftigt. Nur merkt die Umgebung das nicht, weil die Kinder ihre Erfahrungen noch nicht ausdrücken können.

 

Worte und Bilder finden

Statt Kinder, die sich anders als ihre Altersgenossen verhalten, irgendeines “Abweichens” zu verdächtigen, sollten wir neugierig auf sie zugehen. Dann werden wir überrascht feststellen, dass ihr “seltsames” Verhalten eine Logik hat, aus der Perspektive des Kindes sinnvoll ist. Henry David Thoreau hat diesen Gedankengang schon vor so langer Zeit in so schöne Worte gefasst: If a man does not keep pace with his companions, perhaps it is because he hears a different drummer.
Wenn ich in den vielen Jahren als Lerntherapeutin und Coach etwas gelernt habe, dann ist es, offen zu bleiben. Immer wieder, bei jedem Kind, in jeder Stunde aufs Neue zu fragen: “Wo bist du gerade und was bewegt dich?”. Denn die Kriterien, die wir formulieren, um Menschen und ihr Verhalten einschätzen zu können, verstellen uns immer wieder den Blick. Sie verhindern, dass wir neugierig entdecken, wer da vor uns sitzt. Oder rennt, kreischt, daumenlutscht. Menschen sind so einzgartig, dass wir sie mit Kategorien nicht fassen können. Statt Menschen in Begriffe zu pressen, sollten wir für jeden Menschen neu nach Worten und Bildern suchen, die ihren oder seinen einzigartigen Fragen, Wünschen und Begabungen gerecht werden. Und das Besondere ist: Wenn wir den Kindern zuhören, nachfragen, uns von ihnen ihre Innenwelt mitnehmen lassen, dann tauchen diese Begriffe ganz von selbst auf. Die meisten Kinder können ihre Erfahrungen sehr wohl in Worte fassen. Nur sind es andere Begriffe, als wir selbst verwenden würden. Und so bereichern wir – wenn wir uns auf den Dialog einlassen – im Dialog mit den Kindern auch unsere begriffliche Welt. Wir entdecken mit den Kindern Unterschiede und Gemeinsamkeiten und jede Menge spannende Fragen, die es zusammen zu erforschen gibt.

Wieder Kind werden

Wenn ich im Coaching mit Erwachsenen versuche, Bilder und Worte für die Begabungen zu finden, fällt das denen sehr viel schwerer als den Kindern. Sie tragen schon Jahrzehnte an Zuschreibungen, Glaubenssätzen, Scham und Schuldgefühlen mit sich. In so einer Situation zu sagen: “Sieh dein Anderssein doch einfach mal positiv” würde an all dem vorbeigehen, was diese Menschen erfahren haben. Es ist ihre Erfahrung, dass viele ihrer Eigenschaften, in unserer Kultur negativ definiert werden und der Verstand lässt nicht zu, da jetzt einfach etwas anderes zu behaupten. Deshalb führt der Weg zum positiven Selbstbild bei Erwachsenen über das Kind, das jede(r) von uns noch in sich hat. Denn wenn diese Erwachsenen sich wieder an das Kind erinnern, das sie mal waren, dann können sie all das wieder spüren, was sie so lange vergessen hatten: Die Begeisterung, mit der sie die Welt erforscht haben. Den Spaß bei kreativen Projekten und wilden Spielen. Die Lust am Wissen, die Leidenschaft des Schaffens. Dann kommen Worte und Bilder und jede Menge Energie.  Und dann verfließen die Grenzen zwischen dem vernünftigen Erwachsenen und dem lebenslustigen Kind. “Ich will das nicht mehr hergeben”, sagte mir eine Coachingklientin, nachdem sie das bunte fröhliche Kind gemalt hatte, das sie einst war. Früher hätte ich ihr eine Antwort gegeben, inzwischen weiß ich, dass ich in solchen Momenten schweigen kann. Kinder und Erwachsene wissen tief in sich sehr gut, was gut für sie ist. Sie brauchen oft nur die Ermutigung, sich selbst zuzuhören.
“Und das brauche ich auch nicht!”, rief sie plötzich. Und dann stand sie auf und stampfte auf und lachte über sich selbst, weil sie sich noch daran gewöhnen musste, so aufzutreten. Sie hatte entdeckt, dass sie dieses lebendige und bunte Kind immer noch war, ein bisschen älter jetzt, mit ein paar Falten und einer langen Leidensgeschichte, aber immer noch genau so kreativ und voller Wissensdurst und  spannenden Ideen. Tief in uns verborgen wartet unser positives Selbstbild auf uns. Wir müssen es nur ausgraben und uns mit ein paar Kratzern im Lack anfreunden.

Zum Thema Selbstbild habe ich auch zwei Videos gemacht. Du findest sie hier:
Kreative Übung zu Selbstbild und Selbstbewusstsein 
Wie werde ich selbstbewusster?

 

If a man does not keep pace with his companions, perhaps it is because he hears a different drummer. Let him step to the music which he hears, however measured or far away
Read more at: http://www.brainyquote.com/quotes/quotes/h/henrydavid141463.html
If a man does not keep pace with his companions, perhaps it is because he hears a different drummer. Let him step to the music which he hears, however measured or far away. Henry David Thoreau
Read more at: http://www.brainyquote.com/quotes/quotes/h/henrydavid141463.html

Schau auch mal auf meinen anderen Seiten vorbei:

www.begabungswerkstatt.de

Bis bald! Nathalie

Wie werde ich selbstbewusster?

Selbstbewusster zu werden ist ein wenig Arbeit, aber die lohnt sich.  Denn mit dem Selbstbewusstsein kommt auch Entspannung: endlich weniger dieser lästigen Selbstzweifel, die andauernd durch den Kopf schwirren. Nicht mehr so lange zögern, bevor du dich an die Arbeit machst. Auch selbstbewusster auftreten, spontaner reagieren und besser für deine eigenen Bedürfnisse sorgen.

In diesem Video beschreibe ich, wie Selbstbild und Selbstbewusstsein zusammenhängen. Vielleicht magst du erst die Übung machen, auf die ich im Video eingehe, du findest sie hier.

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Selbstbewusster werden mit Karlsson vom Dach

Ich als KarlssonIch habe mich ja schon in der Frage der Woche , in der kreativen Einladung und in einem pardoxen Vlog mit dem Thema Selbstbewusster werden beschäftigt. Aber mir ist in den letzten Monaten zu dem Thema so viel klar geworden, dass ich hier noch etwas weiter ausholen will.

Selbstbewusstsein hat etwas Magisches. Wer es hat, scheint es einfach so bekommen zu haben, ohne Ausbildung oder Prozedur, als hätte das Universum sich entschieden, nur jedem dritten Menschen ein Päckchen von dieser Wundergabe mitzugeben. Und wer nichts oder wenig davon abbekommen hat, der schaut mit Bewunderung auf jene, die ohne Zweifel durchs Leben gehen. Die sich trauen. Die genau das tun, was sie sich wünschen. Genau die sind, die sie sein wollen. weiterlesen

Das Paradox vom Selbstbewusstsein – Vlog

Diese Woche dreht es sich hier ganz und gar ums Selbstbewussstein. Wie im Spiegel-Schrank-Video versprochen hier ein Vlog zu meiner grandiosen wissenschaftlichen Entdeckung: Dem Paradox des Selbstbewusstseins. Keine Angst, es ist nicht kompliziert, im Gegenteil, wer es einmal begriffen hat, braucht nicht mehr viel nachzudenken, alles ist ganz einfach :-).

Das Paradox vom Selbstbewusstsein

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Die Angst zu scheitern (und wie sie sich in positive Energie verwandeln lässt).

Egal, ob es um eine Unternehmung oder ein kreatives Projekt geht: Wer eine eigene Idee verwirklichen will, bekommt fast immer auch mit der Angst zu scheitern zu tun. Natürlich ist es gruselig, alles auf eine Karte zu setzen. Logisch ist es spannend, die eigenen Ideen ernst zu nehmen. Klar macht es Angst, etwas ganz Neues zu wagen, unbekannte Wege einzuschlagen und Risiken einzugehen.

Autorin wird zu vor Angst erstarrtem Kaninchen

Das Gute aber ist, dass Ängste, wenn wir sie ein wenig anders beétrachten, auch das Potenzial haben, uns zu motivieren, uns die Richtung zu weisen und sogar: uns Mut zu machen. Denn was sind Ängste eigentlich? Wenn wir jetzt mal von Menschen absehen, die sich in wirklich existenziell bedrohlichen Situationen befinden (leider viel zu viele auf dieser Erde), dann sind Ängste Geschichten, die wir uns erzählen. Wir erzählen über etwas, das noch nicht da ist, aber da sein könnte. Wir haben Angst, etwas zu verlieren (Geld, die Wohnung, Freunde, Liebe, Ansehen…) oder etwas zu bekommen (Spott, wütende Reaktionen, Strafe, …). Das Schöne ist, dass unsere Ängste uns gleichzeitig auch davon erzählen, was wir uns wünschen und was uns wichtig ist. Nur sind wir von der Angst oft so gelähmt, dass wir diesen Subtext nicht hören.

Meine Angst zu scheitern, erzählt davon, welchen Erfolg ich mir wünsche, wie schön ich mir mein Buch, Bild oder Projekt vorstelle und wie ich Menschen mit meiner Arbeit glücklich machen will.  Meine Angst, nicht genug mit meiner Unternehmung einzunehmen, erzählt mir von meinem Bedürfnis nach Sicherheit. Und meine Angst, negative Rezensionen zu bekommen oder Menschen mit meinen Texten oder Bildern zu verärgern, erzählt mir von meinem Wunsch geliebt zu werden und der Welt Schönes oder Gutes zu geben. Wenn wir Ängste so lesen, können wir sie in unser Leben integrieren, statt uns überfallen und ausgeliefert zu fühlen und wie ein Kaninchen in der Starre zu verharren. Übersetzen wir unsere Angst in Wünsche oder Werte, fühlen wir sofort wieder Leben in uns. Wir sind wieder in Kontakt mit uns selbst und wechseln von negativer Energie zu positiver. Wir spüren das Gute und Wichtige in uns, das, was uns lockt und treibt, was uns warm und lebendig macht. Wir sind im Hier und Jetzt, statt im gefürchteten Morgen.

Seit ich, sobald ich Angst spüre, nach ihrer Geschichte lausche, wächst mein Mut mit jedem Tag. Die Angst ist nicht weg, aber sie hindert mich nicht mehr so wie früher. Ich kann ihr jetzt folgen. Neben mir aufs Sofa klopfen und die Angst zu einem Pläuschen einladen. Mich mit ihr zusammentun, denn im Grunde wollen wir das Gleiche.

Gespräch mit der Angst

Was mir gerade noch wie kaltes Eis durch die Adern rann, wird zum wärmenden Ofen. Was mich lähmte, bringt mich in Bewegung. Und was mich davon abhielt, meine kreativen oder unternehmerischen Pläne auszuführen, hilft mir jetzt, mich zu verorten und immer besser kennenzulernen.

Mich mit meinen Ängsten zu beschäftigen ist deshalb ein wichtiger Teil meines Inneren Business-Plans. Eine Vision zu entwickeln, ohne meine Ängste zu betrachten, wäre sinnlos. Denn nur wenn meine Vision die echte Nathalie wiederspiegelt – und das ist eben eine mit Ängsten – kann ich an sie glauben und sie zur Richtschnur nehmen.

Mehr Gründe, die Angst zu einem Gespräch unter Freunden einzuladen, findet ihr in diesem Artikel auf entrepreneur.com .

Und hier muss jetzt unbedingt der Ted Talk kommen in dem Elizabeth Gilbert auf so bezaubernde Weise von der Angst zu scheitern erzählt, die auch daher kommt, dass wir uns selbst überschätzen, zuviel Genie von Kreativen erwarten. Wenn wir damit aufhören, verliert die kreative Arbeit einen Teil ihres Schreckens – ach all das kann Elizabeth selbst viel schöner beschreiben: