Meine ganz persönliche Top Ten: Bücher über Kreativität und kreative Arbeit

Ich bin innerlich noch in Urlaub und werde erst nächste Woche wieder übers Unternehmen und den dafür nötigen Unternehmergeist nachzudenken. Aber ich hab heute mein Bücherregal umgeräumt – inzwischen habe ich eine recht umfangreiche Sammlung zum Thema Kreativität/Lernstil/Begabung/Hirnforschung.  Aber von den vielen haben diese sieben mich besonders inspiriert:

Schau auch mal auf meinen anderen Seiten vorbei:

www.begabungswerkstatt.de

Bis bald! Nathalie

Introvertiert ist in!

Zumindest in den Medien sind die Introvertierten gerade schwer im Kommen. In Amerika, Ratgeberland par excellence, sind ganze Regale voll “Trau dich introvertiert zu sein”-Büchern erschienen, meistens lässt eine ähnliche Welle in Deutschland dann nicht lang auf sich warten.
Auch bei Ode – über die Zeitschrift hab ich hier im Blog schon berichtet – sind die Introvertierten gerade Blogthema. Da wird reichlich (englischsprachiges) Lesefutter genannt und die Blogautorin Victoria Klein denkt über die Definitionen von “introvertiert” nach. Im Standard-Wörterbuch, schreibt sie, findet man unter diesem Stichwort Begriffe wie Mauerblümchen, Egoist, Einzelgänger oder Grübler, alle gleich unpassend, das einzig passende Synonym scheint ihr Selbst-Beobachter (self-observer). Und davon findet Klein hat diese Welt viel zu wenige.

Hier kommt ein Thema zurück um dass ich in diesen Blog nicht drumrumkomme, dass sich immer wieder aufzudrängen scheint: auch hier wieder eine  Eigenschaft, die mit Hochbegabung direkt verbunden ist – das Sich-selbst-beobachten – negativ besetzt. Wer sich selbst beobachtet ist entweder Egoist oder Mauerblümchen und in beiden Fällen nicht ernstzunehmen.

Mich faszinieren die Gedankengänge die dahinterliegen. Denn wer kann abstreiten, dass Nachdenken zu mehr Weisheit und Beobachtung zu Entdeckungen führt? Damit würde sich der Abstreiter ja gleich  mit unserem ganzen Wissenschaftsbetrieb, der herrschenden Auffassung von Bildung und von Forschung anlegen. Das tut denn auch niemand. Und trotzdem ist nachdenken, vor allem das Nachdenken über sich selbst, suspekt. Wie geht das denn?
Ähnlich unlogisch: dass derjenige, der über sich selbst grübelt, ein Egoist sein könne. Ist Egoismus nicht gerade das Nicht-an-sich-selbst-zweifeln?
Und ist das Mauerblümchen nicht grau und farblos? Wie kann aber jemand mit einem reichen Innenleben je grau und farblos sein?

Widersprüche satt. Mit ein bisschen Logik kann man solche absurden Definitions-Versuche und Anspielungen schnell durchbohren. Weil sie schlichtweg dumm sind.
Wie kommte es denn dann, dass ausgerechnet Hochbegabte sich immer wieder durch solche Spielchen verwirren, verletzen und bremsen lassen? Vielleicht weil ihnen diese eine Fähigkeit fehlt, die in unserer Welt so nützlich ist. Die Fähigkeit das Denken auf Null zu stellen, Zweifel abzustellen und den Blick nach außen zu richten. Wie heißt das Gegenteil von introvertiert im Wörterbuch?
Selbst-Lose-Dumpf-Tulpe?

Über Vorschläge freut sich bestimmt die Duden-Redaktion…

Gastbeitrag von mo jour: Buchrezension zu Andrea Brackmanns Buch: Jenseits der Norm – hochbegabt und hoch sensibel?

„nun sei doch nicht so empfindlich!“ – „du meinst immer, man wollte dir was ….“ – „du bist immer …. zu ….irgendwas: zu traurig, zu himmelhochjauchzend, zu angestrengt, zu ernsthaft …. bist du eigentlich auch irgendwann mal ‚normal‘?!“ – „du immer und deine befindlichkeiten!“ – „du denkst wohl, du wärst was besonderes?!“

das sind so die – meist in vorwurfsvollem ton übermittelten – botschaften, die mich seit meiner kindheit verfolgen und bis in die gegenwart begleiten. ständig vermittelte man mir den eindruck, dass ich so, wie ich bin, nicht richtig sei, sondern falsch. dass ich mich gefälligst ändern müsse, damit ich für die anderen nicht so unbequem bin.
was kann denn ich dafür, wenn mir etwas zu laut ist? wenn ich schnell friere? wenn viele menschen auf einen haufen mich schwindlig werden lassen? wenn gerüche mir übelkeit verursachen, die andere höchstens als hauch wahrnehmen? wenn ein wollpullover, den andere für kuschelweich halten, mir wie schmirgelpapier an der haut schrubbt?
viele viele jahre lang haben mich diese vorwürfe der anderen gequält. die sich immer wiederholende botschaft „sei eine andere!“ hat mich an den rand der verzweiflung gebracht und in die selbstzerstörung getrieben: depressionen, bulimie, suizidversuche, sucht: alles habe ich ausprobiert, um eine andere zu werden. es ist mir nicht gelungen.
und dann, vor wenigen wochen erst, bin ich über ein buch gestolpert, das mich darin bestärkt hat, so sein zu dürfen wie ich bin – dass es für eine wie mich (mit einem iq weit jenseits der 130) quasi normal ist, nicht nur besonders schlau, sondern auch besonders empfindsam, sensibel, gefühlvoll zu sein. eine kluge mimose eben.
Andrea Brackmann heißt die autorin, „Jenseits der Norm – hochbegabt und hoch sensibel? Die seelischen und sozialen Aspekte der Hochbegabung bei Kindern und Erwachsenen“ der titel.
Brackmann ist selbst ‚betroffene‘ (jaja. als ob intelligenz eine krankheit sei) und arbeitet als psychologin und therapeutin seit vielen jahren mit hochbegabten kindern, jugendlichen und erwachsenen.
ihre erfahrungen und forschungsergebnisse grob zusammengefasst: ein mehr an intelligenz geht fast immer auch zusammen mit einem mehr an auffassungsvermögen, mehr an wahrnehmung, mehr an sinneseindrücken, mehr an emotionen.
weil so vieles auf uns einströmt, weil „wir oberschlauen“ mehr wahrnehmen als andere und das nicht abstellen können, kommt es schnell zu einer überreizung, einer überforderung der sinne. dann werden wir in den augen anderer zur zicke – obwohl das reiner selbstschutz ist: wenn eine situation mich überfordert und quält, dann muss ich da raus, und zwar schnell. das ist doch normal, oder etwa nicht? aber weil ich mehr auf- und wahrnehme als andere, ist meine persönliche grenze der erträglichkeit schneller überschritten.
eine rasche überreizung ist natürlich nicht der einzige aspekt, auf den Brackmann in ihrem fast 240 seiten starken buch eingeht.
sie beschreibt u.a. einige ‚typen‘ hochbegabter erwachsener – vom zerstreuten professor über die grenzgängerin oder die späte künstlerin bis hin zum perfektionisten oder dem nonkonformisten – sowie deren typische alltagserfahrungen und -konstellationen. ihr stil ist dabei humorvoll, immer menschlich wohlwollend und leicht lesbar, ohne in platitüden oder plumpe verallgemeinerungen abzugleiten.
eine wohltat! ich habe oft geschmunzelt beim lesen – und auch viel geweint, weil es so unendlich gut getan und mich sehr entspannt hat, mich in Brackmanns beschreibungen wiederzufinden. und das mir, die doch immer einen bogen macht um jede psychologische schublade, die sich allen bisherigen seelen-einordnungsversuchen widersetzte und alles, aber wirklich ALLES tat, um sich aufgezwungene etiketten wieder abzureißen. kein wunder, die haben ja alle nicht gepasst!
bei frau Brackmann passt es: zum ersten mal las ich worte wie „frühkindlich traumatisierte kreative hochbegabte“ – und was meine hohe intelligenz beim überleben und bei der verarbeitung meiner persönlichen katastrophen beigetragen hat, was ich ihr gar zu verdanken habe.
ebenfalls habe ich erst in diesem buch erfahren, dass sich durch die oben erwähnten phänomene einer kontinuierlichen seelischen und sinnlichen überreizung wesenszüge und merkmale herausbilden können, die denen von autismus gleichen. ähnliches gilt für borderline. Brackmann erläutert und begründet ihre thesen einfühlsam und anschaulich – die genannten parallelen sind für mich sofort nachvollziehbar.
beim lesen dieses buches habe ich gelernt, dass dieses schwer definierbare gefühl von „anders-sein“ und „nicht-richtig-dazu-gehören“, das mich ein leben lang begleitet, für hochbegabte ganz typisch ist. und dass meine extreme neugier und soziale sensitivität nicht im widerspruch stehen zu meinem bedürfnis, sehr viel zeit für mich zu haben und allein zu sein.
die schönste wohltat beim lesen aber war vielleicht die tatsache, dass Brackmann aus eigener erfahrung lebt, wovon sie schreibt. ihr tonfall ist niemals belehrend von oben herab, sondern immer respektvoll auf gleicher ebene.
sie vermittelt genau die art von authenzität, die hochbegabte menschen brauchen, um einem gegenüber vertrauen und es auch ernst nehmen zu können. denn mit unseren feinen antennen spüren wir sofort, wenn jemand uns etwas einreden, uns manipulieren will – der hat dann sofort verloren.
Andrea Brackmann gewinnt! – und deswegen möchte ich dieses höchst spannende buch sehr empfehlen, auch wenn es nicht mehr ganz neu ist: erschienen ist es im jahr 2005 beim Klett-Cotta Verlag als No. 180 in der reihe „Leben lernen“, liegt bereits in vierter (sic!) auflage vor und kostet derzeit 22,90 euro; ISBN 978-3608890143
eine buchbesprechung von mo jour aus dem büro für besondere maßnahmen http://mojour.blogspot.com/
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Bis bald! Nathalie

Weltverbesserungs-Vorstellungen

Wie kann Vorstellungskraft die Gesellschaft verbessern?  206 Arten immerhin sind den Studenten der Universität von Connecticut schon eingefallen (Studiengang Creativity and Social Change).
Ihr könnt Sie Euch hier anschauen und mit eigenen Ideen ergänzen:
206 Ideen

Aufmerksam darauf wurde ich wieder mal durch den tollen Blog Applied Imagination.

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Bis bald! Nathalie

Tolles Video: Mythen zur Hochbegabtenförderung

Es gibt ja eine Menge verrückter Mythen über Hochbegabung. Vielleicht sollten wir – statt uns damit abzufinden – neue Mythen erfinden und in die Welt setzen? Dank dem Blog The More Child hab ich diesen so lustigen wie ernsten Video von hochbegabten Schülern entdeckt:

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Bis bald! Nathalie

Software für Schriftsteller: Write or Die

Letzte Woche hatte ich hier im Blog zwei Videos zum Thema Procrastionation eingestellt – der Wissenschaft des Arbeits-Verzögerns. Bei mir treten solche Verzögerungs-Taktiken vor allem in drei Situationen auf: 
– wenn ich irgendwelche Behörden anrufen muss
– wenn ich die Steuer machen muss
– wenn ich einen Text schreiben will, den ich schon zu gut im Kopf habe, um ihn noch wirklich interessant zu finden.


Im letzten Fall ist eine wichtige Taktik natürlich, mir den Stoff wieder interessant zu  machen. Trotzdem kostet es mich dann manchmal ziemliche Überwindung das Schreibprogramm zu öffnen (seit Jahren mein geliebter Scrivener), und wenn ich das geschafft habe, starrt mich die leere Seite oft sehr missmutig an. 


Jetzt bin ich auf ein ebenso lustiges wie wirkungsvolles Schreib-Tool gestoßen, das Wunder wirkt bei Schreibfaulheit, Blockaden oder allerlei Montagmorgen-Verzögerungstechniken. Wie der Name schon sagt geht es bei Write or die darum zu schreiben – und wer nicht schreibt, kriegt Strafe.

Die Bedienung ist ganz einfach: bestimme dein Ziel (z.B. 1000 Wörter in 30 Minuten) und wie hart du bestraft werden willst, dann fang an zu schreiben. Ich schreib im “Kamikaze”-Modus. Bei zu langen Pausen verfärbt sich der Bildschirm erst immer roter, und wenn ich dann immer noch nicht schreibe, werden die schon geschriebenen Wörter rückwärts aufgegessen. Außerdem habe ich die Funktion “disable Save till goals met” entschieden. Wer will kann auch die Taste “backspace” ausschalten. Das Auffressen des Schon-Geschriebenen ist eine Strafe, die mich dann doch in Gang bringt – und natürlich ist nicht jeder so entstandene Satz grandios, aber der Anfang ist gemacht, oft mit überraschend guten Ergebnissen.

Extras: Full screen schreiben ist möglich, die Farbe von Hintergrund und Text kann nach Wunsch eingestellt werden. Ist das Ziel erreicht ertönt eine Jubel-Melodie und der geschriebene Text kann gespeichert werden. Und wer will kann den Kampf mti den Wörtern zum Zweikampf machen und “gegen” einen Freund oder Feind anschreiben.

Probieren könnt Ihr Write oder Die auf:

http://writeordie.drwicked.com

Viel Spaß!

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Bis bald! Nathalie