Software für Schriftsteller: Write or Die

Letzte Woche hatte ich hier im Blog zwei Videos zum Thema Procrastionation eingestellt – der Wissenschaft des Arbeits-Verzögerns. Bei mir treten solche Verzögerungs-Taktiken vor allem in drei Situationen auf: 
– wenn ich irgendwelche Behörden anrufen muss
– wenn ich die Steuer machen muss
– wenn ich einen Text schreiben will, den ich schon zu gut im Kopf habe, um ihn noch wirklich interessant zu finden.


Im letzten Fall ist eine wichtige Taktik natürlich, mir den Stoff wieder interessant zu  machen. Trotzdem kostet es mich dann manchmal ziemliche Überwindung das Schreibprogramm zu öffnen (seit Jahren mein geliebter Scrivener), und wenn ich das geschafft habe, starrt mich die leere Seite oft sehr missmutig an. 


Jetzt bin ich auf ein ebenso lustiges wie wirkungsvolles Schreib-Tool gestoßen, das Wunder wirkt bei Schreibfaulheit, Blockaden oder allerlei Montagmorgen-Verzögerungstechniken. Wie der Name schon sagt geht es bei Write or die darum zu schreiben – und wer nicht schreibt, kriegt Strafe.

Die Bedienung ist ganz einfach: bestimme dein Ziel (z.B. 1000 Wörter in 30 Minuten) und wie hart du bestraft werden willst, dann fang an zu schreiben. Ich schreib im “Kamikaze”-Modus. Bei zu langen Pausen verfärbt sich der Bildschirm erst immer roter, und wenn ich dann immer noch nicht schreibe, werden die schon geschriebenen Wörter rückwärts aufgegessen. Außerdem habe ich die Funktion “disable Save till goals met” entschieden. Wer will kann auch die Taste “backspace” ausschalten. Das Auffressen des Schon-Geschriebenen ist eine Strafe, die mich dann doch in Gang bringt – und natürlich ist nicht jeder so entstandene Satz grandios, aber der Anfang ist gemacht, oft mit überraschend guten Ergebnissen.

Extras: Full screen schreiben ist möglich, die Farbe von Hintergrund und Text kann nach Wunsch eingestellt werden. Ist das Ziel erreicht ertönt eine Jubel-Melodie und der geschriebene Text kann gespeichert werden. Und wer will kann den Kampf mti den Wörtern zum Zweikampf machen und “gegen” einen Freund oder Feind anschreiben.

Probieren könnt Ihr Write oder Die auf:

http://writeordie.drwicked.com

Viel Spaß!

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Bis bald! Nathalie

Erfinden mit hochbegabten Kindern – vom Kurs zum Buch :-).

Es ist da – mein Erfinder-Kritzelbuch! Ein Buch, mit dem ich Kinder inspirieren will, selber Dinge zu erfinden. Ihren Ideen freien Lauf zu lassen – egal ob sie realisierbar sind.

Erfinden mit hochbegabten Kindern

Das Erfinder-Kritzelbuch ist da! Im Januar bei Coppenrath erschienen.

Die erste Idee für diese Buch hatte ich schon vor gut 10 Jahren: Damals gab ich meine ersten Erfinderkurse für Kinder. Die Teilnehmer – junge Hochbegabte und Legastheniker – haben mich durch ihre große Kreativität und ihren Erfindergeist sehr beeindruckt – mit ihnen zusammenzuarbeiten hat unglaublich viel Spaß gemacht. Und ich hatte schnell die Idee, ein Buch zum Thema Erfinden zu machen. Aber wie das so ist – die Zeit fliegt und ich hatte immer so viele andere spannende Projekte (bin halt auch ein echter Scanner 🙂 ). Aber Ende 2012 hab ich mir dann endlich die Zeit für dieses Herzensprojekt genommen. Ich hab mir eine Deadline von drei Monaten gestellt und wie verrückt gezeichnet, gebastelt und geschrieben. Zum Glück habe ich schnell eine Literaturagentur gefunden, die das Buch vertreten und einen Verlag, der es veröffentlichen wollte.

Für mich war es auch eine Premiere: Beim Erfinder-Kritzelbuch habe ich zum ersten mal alles selbst gemacht: Text, Illustrationen und Cover-Gestaltung. Das war eine schöne Erfahrung. Und auf diese Weise will ich weiter arbeiten – für 2015 sind drei weitere Veröffentlichungen geplant. Darunter auch ein Buch zum Thema Hochbegabung – dazu bald mehr.

Das Erfinder-Kritzelbuch, Nathalie Bromberger, Coppenrath Verlag, 9,95 Euro.

Lynda Barry: “What it is”. Visuelle Hirn- und Kreativitätsforschung vom Feinsten.

Es gibt reichlich Bücher über Synapsen, Neuronen und Hirnareale und in der Hirnforschung ist in den letzten Jahren viel Neues entdeckt worden. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, dass wir bisher wirklich verstehen, wie unser Denken funktioniert. Was Kreativität ist. Woher Ideen kommen.
Die Comiczeichnerin Lynda Barry hat das Hirn jetzt mal auf einer andere Weise unter die Lupe genommen: mit Federkiel, Wasserfarbe und sehr persönichen Bildgeschichten.

Ihr Buch “What it is” ist eine faszinierende Mischung aus Graphic Novel, Scrapbook-Album und Kreativitätslehrbuch. Die autobiografische Geschichte ihrer Entwicklung vom kreativen Kind zur erwachsenen Künstlerin, die sich mit Zweifeln und kreativen Blockaden herumärgern muss. Zum Glück gibt es den magischen Oktopus, der uns mit  Tipps und Übungen zeigt, wie wir unsere Kreativität zum Fließen bringen können.
Neben all dem Inhalt ist “What it is” ein wunderschön gezeichnetes Bilderbuch.

Einen kleinen Einblick gibt es hier:
Lynda Barry at drawnandquarterly.com

Lynda Barry “What it is”, Drawn and Quarterly ISBN 978-1897299-35-7

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Bis bald! Nathalie

In The Mind’s Eye…

… ist ein großartiges Buch vonThomas G. West. Leider ist es bisher nur auf Englisch erschienen.
Irgendwann nehme ich mir mal die Zeit, ausführlich darüber zu berichten, hier nur kurz dieses:
es ist ein Buch über das Denken in Bildern und über viele interessante und berühmte Menschen, die es trotz eines ungewöhnlichen Denkstils – oder gerade deswegen – zu großen Leistungen gebracht haben. Einstein natürlich, aber auch Lewis Carroll, Churchill und Faraday.
Faszinierende Einblicke in geniale Geister – aber auch Ermutigung für alle, deren Hirn nicht die Form eines Karteikastens hat.

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Bis bald! Nathalie

Intelligenztest für Legastheniker

Immer mehr Organisationen und Psychologen gehen dazu über, einen nichtsprachlichen Intelligenztest einzusetzen, wenn der Verdacht auf Legasthenie besteht. Auf den ersten Blick scheint das eine logische Entscheidung – aber eben nur auf den ersten Blick. Es gibt einige Gründe, die dagegen sprechen.

Erstens sind Legastheniker sehr unterschiedlich. Manche haben gerade mit visuellen Aufgaben Schwierigkeiten. Für diese Schüler ist ein Test, der vorwiegend auf Formen und graphischen Darstellungen besteht, ungünstig. Andere sind sprachlich sehr begabt, wenn sie nicht schreiben müssen – das wird aber niemand merken, wenn man nur nichtsprachliche Fähigkeiten testet.

Zweitens sind die Ergebnisse eines umfangreichen Intelligenztests, wie z.B. HAWIK, durchaus aussagekräftig. Der HAWIK besteht aus zwei Teilen: einem verbalen und einem performalem, beide bestehen aus mehreren Tests. Die Ergebnisse der verschiedenen Untertests geben Hinweise auf besondere Schwächen – und besondere Begabungen. Selten ist es so, dass ein Schüler in allen Tests des verbalen oder performalen Teils gleich schlecht abschneidet. Viel öfter sieht man sehr unterschiedliche Resultate in den verschiedenen Teilbereichen. Hieraus kann man wertvolle Information für die Legasthenieförderung ableiten.

Außerdem ist es gerade für legasthene Schüler wichtig, ihre Begabungen zu kennen. Und viele Legastheniker sind auf Teilgebieten hochbegabt! Der Durchschnittswert, der eigentlich IQ, interessiert mich darum kaum, übrigens nicht nur bei Legasthenikern nicht, auch viele nicht-legasthene Hochbegabte haben sehr unterschiediche Ergebnisse in verschiedenen Teilbereichen.

Wir sollten Intelligenztests nicht verwenden, um Menschen in “schlau” und “nicht-schlau” zu unterteilen. Sondern sie einsetzen um Begabungen zu entdecken und Förderbedarf festzustellen. Und dafür ist es wichtig, dass der Test viele verschiedene Gebiete misst. Und ganz wichtig: dass derjenige, der den Test durchführt, erfahren und aufmerksam ist. Denn auch hier ist “zwischen den Zeilen” oder eher: “zwischen den Aufgaben” viel Information zu finden. Z.B. wenn ein Schüler bei allen Tests hochkonzentriert mitarbeitet, aber bei einem bestimmten Test wie wild mit dem Stuhl wackelt und aus dem Fenster schaut. Oder wenn, was öfter vorkommt, der Schüler zu schlau für den Test ist. Und dann die Assoziation, die gesucht wird, nicht finden kann. (Was haben ein Auto und ein Lastwagen gemein?, kann manchen schlauen Kerl zu ausführlichen Überlegungen über die Zusammensetzung von Benzin und Diesel oder die Bauweise der Motoren veranlassen. Auf so etwas Banales wie “beides sind Fahrzeuge” kommt er dann nicht).

Ich nehme mal an, dass der CFT in letzter Zeit nur deshalb so oft eingesetzt wird, weil die Tester den Legasthenikern etwas Gutes tun wollen.

Und nicht, weil der HAWIK so viel teurer und zeitaufwändiger ist?