Warum ich meine Zweifel erst mal ins Wartezimmer setze

Logo gegen ZweifelDie Idee mit dem Wartezimmer kam mir, weil das mit der einsamen Insel nicht geklappt hat. Vor Jahren, als ich in einer großen Wolke von Zweifeln gefangen war, las ich in einem Forum den entzückenden Vorschlag, Zweifel auf eine Insel in Urlaub zu schicken. Die Idee ging ungefähr so: Stell dir ein Ferien-Resort vor, wo deine Zweifel sich richtig gut vergnügen können und dann lassen sie dich in Ruhe. Ich fand die Idee klasse, aber sie funktionierte nicht.

Elefant bläst Herzchen

 

Zweifel ignorieren

Nicht an Zweifel denken ist wie mit den rosa Elefanten:  Wenn man versucht, sie zu ignorieren, drängen sie sich nur immer lauter in unsere Gedanken.  Oder sie schleichen sich auf anderen Wegen wieder in unser Bewusstsein und sind in der Zwischenzeit noch größer und gefährlicher geworden. Gefühle wegschieben kann durchaus hin undwieder funktionieren, aber nur dann, wenn sie nicht dringend sind. Die meisten Zweifel sind aber dringend, denn sie entstammen Ängsten und Sorgen und sind ein Teil von uns.

Ein Teil von mir

Das war für mich eine der vielen wunderbaren Erkenntnisse im Laufe meiner Gestaltausbildung: Unsere Ängste und Zweifel sind Teile von uns selbst. Und es sind Teile, die wichtig für unsere Persönlichkeit sind, die uns etwas erzählen wollen. Sie sind nicht vom Himmel gefallen, sondern entstammen unserer Erfahrung. Deshalb sollten wir nicht versuchen, sie aus uns rauszuschneiden und loszuwerden. Das geht nicht und täte uns auch nicht gut. Wir würden damit auch wichtige Aspekte unserer Person über Bord werfen.

Andererseits merkte ich aber auch, dass es keinen Sinn hat, mich mit den Zweifeln zu beschäftigen, wenn sie schon zugeschlagen hatten. Denn dann beherrschten sie mein Denken und wirkten real. Das habe ich überhaupt lange gedacht: Dass Zweifel meinem Realitätssinn entstammen. Dass sie mich auf die Wahrheit aufmerksam machen. Und ich ihnen womöglich noch dankbar sein soll, weil sie mich davon abhalten, naiv meiner Begeisterung zu folgen. Bringt man uns das nicht auch an allen Ecken und Enden bei, dass wir uns für Kritik öffnen, unsere Pläne erst mal objektiv betrachten und von allen Seiten beleuchten, bloß nicht naiv loslegen sollen?  Sind Zweifel also nicht das, was uns vorm Scheitern bewahrt? Nein, das ist Quatsch. Denn der größte Teil der Zweifel ist nicht real. Sie haben gar nichts mit der Idee zu tun. Sie entstammen Ängsten und Sorgen, die gar nichts mit dem Projekt zu tun haben!

Das fiel mir aber erst auf, als ich mir die Zeit nahm, nicht nur einzelne Zweifel zu betrachten, sondern mein ganzes Zweifelverhalten. Und dabei entdeckte ich ein Muster, ich nenne es den Tanz der Zweifel.

Zweifel tanzen

Der Tanz der Zweifel geht so:

Am Anfang war ich ganz und gar begeistert von einer Idee. Ich spürte deutlich wo ich hin wollte – die Vision in meinem Kopf leuchtete ganz hell.

Die Anfangsbegeisterung

(Was nicht bedeutet, dass die Vision auch klar und deutlich wäre, aber dazu ein ander mal mehr).

Doch dann kamen die Zweifel. Ein Zweifel führte zum nächsten. Und irgendwann sagte ich mir, dass ich mich wohl vertan hatte: Die Idee war gar nicht so toll! Sie schien mir nur am Anfang so, weil ich noch naiv war und nicht die ganze Wahrheit kannte.

DIe Idee in die Schublade legen

Und ich legte mein Projekt zur Seite und widmete mich etwas anderem.

Aber dann,

nach einer kürzeren oder längeren Weile, fing die Idee wieder in mir zu kribbeln an. Nur so ganz leicht, gerade so viel, dass ich sie mir mal wieder anschauen wollte.

Die Idee wieder aus der Schublade holen

Und jetzt kommt das Erstaunliche: Wenn ich meine Idee wieder aus der Schublade holte, waren die Zweifel verschwunden! Oder schienen plötzlich ganz unwichtig. Ich konnte jetzt gar nicht mehr verstehen, warum ich das Projekt weggelegt hatte, die Idee war doch klasse! Voller Hoffnung und Elan stürzte ich mich in die Arbeit an meinem Projekt.

Aber dann, nach einer kürzeren oder längeren Weile (meistens schneller als beim ersten mal) kamen mir wieder Zweifel.

Zweifel bei der kreativen Arbeit

Und so ging es weiter. Der Tanz der Zweifel ist nämlich ein Rundentanz.

 

Der Durchbruch

Den Tanz der Zweifel zu erkennen, war für mich der Durchbruch. Denn ich begriff jetzt, dass die Zweifel nicht von der Realität erzählten. Es war nicht so, dass ich am Anfang naiv war und dann durch die Zweifel die negativen Aspekte meiner Idee ans Licht kamen. Denn wenn ich wieder im Begeisterungsmodus war, löste sich der größte Teil der Zweifel ins Nichts auf. Und nicht, weil ich sie dann ignorierte. Sondern weil meine Vision wieder leuchtete und mich wieder an das erinnerte, was wirklich wichtig war. Was so besonders und inspirierend an meiner Idee war.

Und die paar kleinen Zweifel, die dann noch blieben, erfuhr ich jetzt nur noch als Erinnerungen an ein paar kleine Probleme, die ich noch lösen musste. Klar musste ich noch darüber nachdenken, ob das Buch nicht zu teuer werden würde und ob ich es in drei Teile oder vier aufteilen würde. Aber das waren Detailfragen. Es waren keine Zweifel an der Vision selbst. Die leuchtete mir wieder hell meinen Weg.

Eine klare Vision

Denn genau das war in der Zweifelwolke geschehen: Ich hatte die Vision aus dem Blick verloren. Sie hatte mir nicht mehr den Weg geleuchtet. Und darum war ich im Dunkel wie ein blindes Huhn hin und her gerannt, hatte mal ein bisschen in der Richtung gesucht und dann wieder in der anderen und war dabei im Kreis gelaufen bis mir schwindelig war und ich gar nichts mehr sicher wusste. Ich hatte den Kontakt mit meiner Vision verloren und damit das, was mir Energie und Mut gab, was mir die Richtung weisen und Antworten geben konnte.

Ohne meine Vision hatte ich an den falschen Stellen nach Antworten gesucht: mir die Bücher von anderen angeschaut oder Schreibratgeber gelesen, KollegInnen um Rat gefragt oder im Internet gesucht. Und klar können mir Gespräche mit KollegInnen oder Schreibratgeber manchmal helfen. Aber nur, wenn ich meine Vision noch im Blick habe!

Wenn ich Zweifel habe, dann hilft nur eins: Schauen, ob meine Vision noch leuchtet und was sie mir zu den Fragen der Zweifel antwortet.

ich bin deine Vision und ich sage dir

Und wenn meine Vision nicht mehr leuchtet, dann hilft nur eins: Sie wieder aktivieren und wieder zum Leuchten bringen.

Und hier kommt das Wartezimmer ins Spiel. Es gibt mir die Zeit, mich erst um meine Vision zu kümmern, bevor ich den Zweifeln zuhöre.

 

Eine Pause für die Zweifel

Ich schicke meine Zweifel also nicht weit weg auf eine einsame Insel, sondern lade sie ins Wartezimmer ein. Dort gibt es alle nur erdenklichen Angenehmlichkeiten, sodass auch der ungeduldigste Zweifel es da doch eine Weile aushalten kann: Schlaftee und Wärmflasche,  Hypnosepirale und Meeresrauschen, den langweiligsten Roman aller Zeiten und romantische Schlaflieder. Und das gibt mir alle Gelegenheit, sie zu beobachten und zu sezieren, zu analysieren und zu interpretieren. Dafür habe ich natürlich auch eine Methode entwickelt: ein praktisches Zweifel-Analysier-Instrument, dazu bald mehr.

Bis dahin kannst du dir ja selbst schon mal ein Wartezimmer für deine Zweifel basteln. Ganz nach deinen eigenen Ideen oder mit meinem Bastelbogen.

 

Der Bastelbogen

Das Wartezimmer gibt es als Bastelbogen in zwei Farbgebungen (auch Zweifel haben da so ihre Vorlieben) und mit vielen praktischen Gegenständen, die du nach deinen eigenen Wünschen kombinieren und mit einer persönlichen Note ergänzen kannst. Und natürlich ist das Wartezimmer auch ein tolles Geschenk für kreative Menschen, die auch manchmal von Zweifeln geplagt werden (und wer wird das nicht? ).

Das blaue Wartezimmer mit vielen Details, wie Wärmflasche, Tasse und Bilderrahmen

P.S. Wer mag kann das Wartezimmer auch selber ausmalen! Bestell dann den schwarz-weißen Bastelbogen.

 

 

 

 

 

 

3. Prokrastinieren hilft, deine kreative Energie zu bündeln.

Wenn ich eine Weile gebrütet habe, kommt irgendwann der Impuls, die Idee aus dem geschützten Kopfraum zu holen und etwas mit ihr anzufangen. Mich hinzusetzten und das Kapitel zu schreiben, die Zeichnung zu machen, den Businessplan zu schreiben. Manchmal spüre ich dann die volle Ladung kreative Energie und mein kreativer Prozess sprüht nur so vor Funken. Aber manchmal ertappe ich mich stattdessen wieder beim Prokrastinieren. Seltsam, die Idee ist doch gut, warum steh ich dann jetzt hier und ordne mein Bücherregal nach Farben? Das kann zwei Gründe haben.

1. Die kreative Energie ist weg, weil ich zu ungeduldig bin.

Zum Beispiel weil ich so neugierig bin auf das, was da in meinem Kopf sprüht. Oder weil ich von mir erwarte, endlich zu Potte zu kommen. Drei Tage Brüten, das muss reichen! Doch dann signalisiert mein Bauchgefühl mir, dass ich noch nicht ganz so weit war. Dass der Bogen noch nicht voll gespannt ist und ich besser noch ein bisschen warte. Denn mit der vollen Energie arbeitet es sich besser und kraftvoller und werde ich mein Projekt eher zu einem tollen Ergebnis bringen. Prokrastinieren hilft mir dabei, mich mit meinen kreativen Energievorräten zu beschäftigen, nicht zu früh loszulegen, sondern zu warten, bis ich reif bin für den Sprung, den Sprint, den Auftritt, den Funkenregen.

2. Die kreative Energie ist weg, weil ich keine Lust habe – und das ist gut!

Kreative mit positiver und negativer Energie

Mein Unlust-Ich ist mir noch nicht so sympathisch, daran arbeite ich noch :-). (Illustration: Nathalie Bromberger)

Früher hat mich Unlust erschreckt. Das klingt doch wirklich nach faul und unmotiviert? Womöglich gar ambitionslos? Pfui, hab ich so ein Wesen in mir? Zu meinem optimistischen Temperament passt die Lust viel besser. Und lange habe ich mir “Ich habe keine Lust”- Gedanken dann auch verboten.  Oder mich in Unlust-Fällen sofort zum Weiterarbeiten verdammt. Inzwischen weiß ich, dass Unlust genau so wichtig ist wie Lust.

Die Lust zu arbeiten ist ein tolles Signal. Die Unlust aber auch. Sie sagt mir, dass mir etwas fehlt. Dass da ein Knoten in meinem kreativen Prozess ist. Dass etwas auf der Leitung steht, die meinen kreativen Geist mit Energie versorgt. Dass mir das Vertrauen fehlt oder der Mut. Dass ich mich langweile oder mir der Spaß abhanden gekommen ist. Alles wichtige Signale. Nicht nur, weil sie mir erzählen, dass ich innehalten und mich um meinen kreativen Prozess kümmern muss. Sondern auch, weil diese schwierigen und dunklen Themen meiner Kreativität mehr Tiefe geben. Weil sie mich auf die Spur von Fragen bringen, mit denen auch andere zu kämpfen haben. Weil sie mir zeigen, wo Probleme sind und Lösungen gebraucht werden. Wo Sorgen sind und Ermutigung gebraucht wird. Wo Kämpfe passieren und was da verhandelt wird.

Kreative sprüht nur so vor Unlust

Unlust ist ein wichtiger Antrieb für die kreative Arbeit. (Illustration: Nathalie Bromberger)

Es lohnt sich, deiner Unlust nachzuspüren. Du wirst dabei eine Menge über dich und andere entdecken. Das ist nicht nur für Kreative wichtig. Wir alle sollten uns mehr Zeit nehmen, darüber nachzudenken, wann es uns gut geht. Wie wir mehr davon in unser Leben einbauen können. Und wie wir eine Welt bauen können, in der es allen gut geht. Und das ist noch was, das du entdecken wirst, wenn du deiner Kreativität mehr guten Raum gibst: Sie hält sich nicht Grenzen. Nicht an die Grenzen deiner To-Do-Liste, nicht an die Grenzen von Genres oder Papierformaten und auch nicht an die Grenzen der kreativen Arbeit. Sie begnügt sich nicht damit, sich auf dem Papier oder in Worten auszutoben. Wenn du sie freilässt, kommt sie auch mit anderen Ideen: Für eine autofreie Stadt. Für Schulen ohne Angst. Für eine Welt, in der alle Menschen ihren kreativen Geist entfalten können. Aufschieben bedeutet: Nicht weitermachen, wenn du merkst, hier stimmt was nicht. Nicht weitermachen, wenn das System kaputt ist. Prokrastinieren hilft, dich daran zu erinnern.

Dies war der vierte Teil der Serie übers Prokrastinieren. Im ersten Teil geht es um drei Missverständnisse über das Prokrastinieren. Teil 2 und 3 handeln davon, wie Prokrastinieren dir beim Fokussieren und beim kreativen Brüten hilft.

 

Prokrastinieren hilft beim kreativen Brüten

und ist dann eigentlich gar kein Prokrastinieren. Beim kreativen Brüten wird nichts aufgeschoben, sondern das gemacht, was im kreativen Prozess nicht nur eine große Rolle spielt, sondern auch viel Zeit braucht: meine Ideen reifen lassen. Wie ein Hefeteig eine warme und zugfreie Umgebung braucht, um zu wachsen, so brauchen auch Ideen eine bestimmte Art Raum. Diesen Raum schaffe ich in meinem Kopf. Raum zum kreativen Brüten.

Zum Brüten gehört auch eine große Portion Liebe

Ideen brauchen die Sicherheit, dass sie nicht ausgelacht werden. (Illustration: Nathalie Bromberger)

Dafür muss ich meinen Kopf in doppeltem Sinn frei machen: Erstens muss ich ihn frei halten von Erwartungen und Ansprüchen. Ideen können sich nur zeigen, wenn sie wissen, dass ich für sie offen bin und sie nicht auslache. Dass ich noch keine Leistung von ihnen erwarte, keine Ansprüche an ihr Aussehen oder ihre Form stelle. Sie wollen so geliebt und angenommen werden, wie ein kleines Kind. Es heißt ja auch nicht ohne Grund “mit einer Idee schwanger gehen”: Mein Kopf ist die Fruchtblase, in der das Neue geschützt wachsen kann, von liebevollen Gedanken begleitet.
Zweitens muss ich meinen Kopf freihalten von allen anderen Prozessen, die geistige Energie verbrauchen. All meine Hirnkalorien sind für mein Geistesbaby reserviert, da ist jetzt kein Raum für Grübeleien über die unfreundlichen Nachbarn oder den Fehler in meiner Steuererklärung. Wenn solche Kraftfresser auftauchen, schiebe ich sie liebevoll zur Seite. Erinnere mich daran, dass ich die Mama dieses Geistesembryos bin, dass meine wichtigste Aufgabe ist, für sein Wohlergehen zu sorgen. Wenn ich dieses Bild im Kopf habe, fällt es mir leichter, streng aufzutreten.
Und streng auftreten muss ich! Denn alles in mir ist darauf getrimmt,

Löwenmutter schützt die Ideen beim kreativen Brüten

Dafür sorgen, dass meine Ideen beim kreativen Brüten sicher sind, gehört auch zum kreativen Prozess (Illustration: Nathalie Bromberger)

Leistungen zu produzieren, die nach außen sichtbar sind, von anderen gesehen werden können. Darum habe ich die Neigung, immer das oben auf die To-Do-Liste zu stellen, was sichtbare Resultate bringen wird. Damit ich am Ende des Tages mir und anderen zeigen kann: Sieh her, das habe ich heute geleistet. Oft genug betrüge ich mich dabei allerdings. Denn 50 Pins bei Pinterest oder eine stundenlange Recherche bei Google sind nicht wirklich etwas auf das ich stolz sein könnte. Aber während ich mich durch die Bilderwelten bewege und hier und da begeistert auf ein Bild klicke, kann ich mich immerhin produktiv fühlen. Und das fühlt sich besser an als Nichtstun. Darum habe ich die Neigung, auf die falsche Weise zu prokrastinieren. Eine die dem kreativen Brüten nicht wirklich Raum bietet. Wenn ich mich mit Bildern oder Fakten vollstopfe blockiere ich den Raum, lenke mein Hirn ab. Statt dafür zu sorgen, dass es in den Leerlauf findet und die kostbaren Prozesse im Hinterkopf sich in Ruhe entfalten können. Wie eine Löwenmama muss ich darum auf der Lauer liegen und den Freiraum bewachen. Weg ihr Stimmen, die nach Leistung schreien oder Sichtbares fordern. Weg ihr Google-Bilder und Recherchier-Gedanken. Her mit den Ohrstöpseln, ich will die Klingel nicht hören, wo wieder mal einer der Paket-Besorger weiß, dass ich tagsüber zuhause bin und für den gesamten Häuserblock

Autorin beim kreativen Brüten

Such dir die passende Prokrastinier-Methode zum kreativen Brüten – nicht alles funktioniert gleich gut (Illustration: Nathalie Bromberger)

die Paketstation spielen könnte. Weg mit dir Telefon, auch wenn liebe Menschen anrufen: Ich bin jetzt nicht da. Körperlich ja, aber mein Geist nicht. Denn der schwebt auf Wolke K und brütet. Damit mein kreatives Küken bald aus dem Ei

brechen kann.

Dies ist der dritte Teil der Serie über das Prokrastinieren. Den vierten Teil, wie Prokrastinieren hilft deine kreative Energie zu bündeln, . Die Einleitung über die Missverständnisse übers Prokrastinieren findest du hier und den ersten Teil darüber, wie das Prokrastinieren beim Fokussieren hilft hier..

Prokrastinieren hilft beim Fokussieren

Prokrastinieren hilft ? Das ist doch nur ein Zeichen für Faulheit! Und was du heute kannst besorgen, das sollst du doch nicht auf morgen verschieben? Wo kämen wir hin, wenn wir alle den lieben langen Tag nur noch aus dem Fenster schauen würden? Was die Kreativität betrifft, kämen wir damit sogar viel weiter. Denn Aufschieben und aus dem Fenster schauen sind für Kreative in vielen Situationen sehr gesund. In der Einleitung zu dieser Serie hab ich gezeigt, dass Prokrastinieren oft missverstanden und als schädlich formuliert wird. In diesem und in den nächsten Artikeln soll es um die guten Seiten des Aufschiebens gehen.

1. Prokrastinieren hilft beim Fokussieren

Es sorgt dafür, dass ich meine Zeit nicht an die falschen Dinge verschwende. Ich habe etwas auf meiner To-Do-Liste stehen und mein Kopf glaubt, dass ich das jetzt tun sollte. “Schreib Kapitel 3” steht da vielleicht. Oder “Fang an mit Projekt X”. Doch mein Bauchgefühl sagt etwas anderes. Es hat schon begriffen, dass ich jetzt besser eine andere Sache in Angriff nehmen sollte. Leider hört mein Kopf nicht zu. Und das hat mit meinem dritten Ohr zu tun. Auf dem ich taub bin.

Wie die meisten habe ich als Kind nicht gelernt, meinen kreativen Impulsen zu vertrauen. Oder andersrum: Ich habe das verlernt, kleine Kinder spüren ihre kreativen Impulse nämlich ganz wunderbar. Aber spätestens in der Schule lernen wir alle, dass die inneren Impulse nicht zählen. Dass sie störend oder gar gestört sind. Ich erinnere mich, dass ich in der Grundschule noch hin und wieder in der Ecke stehen musste, weil ich beim Zeichnen nicht still sein konnte. Später “konnte” ich das mit dem Schweigen und Stillsitzen, aber um welchen Preis? Wie die meisten Kinder habe ich mir das  Zappeln und Tagträume

Kreative hört ihre inneren Stimmen nicht.

Das Prokrastinieren hilft, deine inneren Stimmen zu hören. (Illustration: Nathalie Bromberger)

n abgewöhnt und gelernt, mich auf das zu konzentrieren, was andere von mir erwarten, was andere sagen, was andere mir auftragen. Meinen kreativen Körper zu ignorieren. Und jetzt hab ich den Salat: Ich bin auf einem Ohr taub geworden, auf dem dritten nämlich, das auf die inneren Stimmen spezialisiert ist.

Bauchgeflüster

Ich höre nicht, wenn mein Nacken schreit “Ich bin verkrampft”. Ich höre nicht, wenn mein Spieltrieb ruft: “Ich will nach draußen”. Und ich höre nicht, wenn mein kreatives Ich ruft: “Ich hab jetzt viel mehr Energie für ein anderes Projekt” oder “Für Kapitel drei fehlt mir noch eine Menge Info”. Und weil ich das nicht höre, brauche ich das Prokrastinieren. Es erzählt mir, dass mein Bauchgefühl was auf dem Herzen hat. Bauchgefühl hat eine Menge raffinierter Strategien, um auf sich aufmerksam zu machen. Es lenkt mich ab, indem es “Hunger” ruft oder mich zum Zappeln bringt, so dass ich es nicht schaffe den geplanten Text zu schreiben.

Kreative hat sich ein Bauch-Hörgerät gebaut

In der Badewanne mit den Ohren unter Wasser kannst du deine inneren Stimmen auch gut hören. Das kommt daher, das Wasser diese spezielle Leitfähigkeit für innere Frequenzen hat. (Illustration: Nathalie Bromberger)

Vielleicht schickt es mir auch schöne Tagträume oder Ideen für neue Projekte. Oder es spitzt meine anderen Ohren, so dass ich jeden Ton aus dem Hausflur wahrnehme oder den Gesprächen im Nachbargarten lausche. Jedenfalls tut es sein bestes, mich von dem abzuhalten, was ich mir vorgenommen habe. Und desto schneller ich das begreife, desto besser. Denn andauernd zum Kühlschrank zu rennen oder hinter dem Rechner zu zappeln sind nur Hilfeschreie meines kreativen Ichs. In Wirklichkeit braucht es etwas anderes: Die Erlaubnis, sich mit dem zu beschäftigen, was auf meiner inneren Agenda jetzt ansteht. Dem was mein kreativer Prozess jetzt braucht.

Innere Kämpfe

Wenn ich mir die Prokrastination verbiete, höre ich auch nicht, was sie mir sagen will. Dann entstehen manchmal so bescheuerte stundenlange innere Kämpfe. Diese können ziemlich erschöpfend sein. An schlechten Tagen gewinnt mein diszipliniertes Ich. Dann schreibe ich noch ein paar Stunden an meinem Text weiter. Nur um ihn am nächsten Tag in die Tonne zu hauen. An guten Tagen begreife ich schnell, was los ist. Gehe raus, spazieren. Spüre meinem Bauch nach. Mache es mir auf dem Sofa gemütlich oder rede mit einer Kollegin über meinen kreativen Prozess. Und finde so das, was ich wirklich tun will. Was mir jetzt gut tut. Was ich noch entdecken muss, bevor ich Kapitel 3 schreiben kann. Und was mein kreatives Ich mir mit dem Prokrastinieren erzählen wollte.

Im nächsten Teil dieser Serie geht es um Wolke K und die Löwenmama. Und mehr dazu wie Prokrastinieren hilft.

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Drei Missverständnisse übers Prokrastinieren, die deiner Kreativität schaden

Missverständnis 1: Prokrastinieren ist schlecht.

Als “Prokrastinieren” zum Modewort wurde, vor 10 Jahren oder so, da dachte ich: “Prima! Jetzt wächst endlich das Verständnis dafür, warum Aufschieben für die Kreativität wichtig ist”. Aber weit gefehlt. Fast sofort wurde das Wort falsch interpretiert (nämlich negativ), wurden Studien aus ihrem Zusammenhang gerissen und aus dem neutralen Begriff “Prokrastination” die “krankhafte Prokrastination” gemacht.

Seitdem erscheint so ungefähr täglich ein Artikel, in dem erklärt wird, wie wir das Prokrastinieren überwinden, überlisten, vermeiden und bekämpfen können. Die Welt titelt gar “Der Prokrastination entkommen” und verspricht zehn Tricks, mit denen wir nie wieder prokrastinieren werden. Und will der Kreativität damit wohl ein für alle mal den Garaus machen. (Solltest du dennoch auf den Link klicken, dann machst du das auf eigene Gefahr!)

Höchste Zeit, die Prokrastination zu rehabilitieren und zu erkennen, wie und wann das Aufschieben zur kreativen Kraft wird. Das ist zum Beispiel, wenn es dir beim Fokussieren hilft. Oder wenn es dafür sorgt, dass dein Geist sich im Leerlauf bewegt und die für die kreative Arbeit so wichtigen intuitiven Prozesse stattfinden können. Zu den guten Seiten der Prokrastination mache ich demnächst einen ausführlicheren Artikel. Darin wird es auch darum gehen, wie du erkennst, mit welcher Art Prokrastination du es zu tun hast. Von außen sehen die kreativitätsfördernde und die blockierte Prokrastination nämlich gleich aus.

Gutes und böses Prokrastinieren sehen gleich aus.

Prokrastinieren kann die Kreativität fördern oder ein Zeichen von Blockaden sein. (Illustration von Nathalie Bromberger)

Missverständnis 2: Wenn du dich beim Prokrastinieren ertappst, musst du dich zum Weitermachen zwingen.

Dieses Missverständnis ist für Kreative eine Katastrophe. Erstens schüttest du damit sozusagen das Kind mit dem Bade aus. Schließlich kannst du jetzt auch die guten Arten des Aufschiebens nicht mehr nutzen. Sobald du dich beim Prokrastinieren ertappst, rufen die kleinen Leistungsdrückerchen in deinem Gehirn: “Igitt, hier wird nicht gearbeitet”. Du fühlst dich schuldig, undiszipliert oder faul und versuchst dich zum Weiterarbeiten zu zwingen. Statt zu überlegen, ob es vielleicht einen guten Grund für dein Aufschieben gibt. So schwächst du deinen kreativen Prozess nicht nur,  im schlimmsten Fall kannst du ihn dadurch ganz verhindern. Und wenn du alle Prokrastinier-Neigungen gleich unterdrückst, lernst du auch nicht, woran du das gute Aufschieben erkennen kannst. Oder in welchen Situationen du es brauchst und wie du es am besten nutzen kannst.

Zweitens ist dieser Ratschlag auch in allen anderen Fällen Quatsch. Denn auch dann, wenn du  prokrastinierst, weil es in deinem kreativen Prozess gerade nicht so rund läuft, hat es keinen Sinn, dich zum Weitermachen zu zwingen. Mag sein, dass du mit Disziplin noch ein Stückchen vorwärts kommst, aber dann werden dich die Blockaden höchstwahrscheinlich wieder einholen. Das Prokrastinieren an sich ist nämlich gar nicht das Problem. Und damit wären wir auch schon beim nächsten Missverständnis:

Kreative versucht vor den Blockaden wegzulaufen

Es hat keinen Zweck vor den kreativen Blockaden wegzulaufen – sie halten Schritt mit allem, was du tust. (Illustration von Nathalie Bromberger)

Missverständnis 3: Prokrastinieren ist die Ursache von kreativen Blockaden

Das ist großer Unsinn! Das Aufschieben ist nicht die Ursache dafür, dass deine kreativen Säfte nicht strömen wollen. Sondern immer nur ein Symptom von tiefer liegenden kreativen Blockaden. Hinter dem Prokrastinieren liegen Ängste oder Zweifel. Sie sind es, deine kreativen Impulse behindern. “Trotzdem weitermachen” ist darum auch keine Option. Denn so ein Arbeiten unter Zwang klappt vielleicht, wenn es um die Steuererklärung oder ums Unkrautjäten geht. Aber beim kreativen Prozess brauchst du deine innersten Kräfte, Herz und Verstand, das was dir auf der Seele und unter den Nägeln brennt. Du kannst deinen Verstand nicht auf Null setzen und sagen: “Ich hasse Gartenarbeit, aber da muss ich durch”. Oder dich zum mechanischen Ausfüllen der Felder im Elster-Formular füllen. Solche Methoden helfen bei Arbeiten, bei denen wir uns zeitweise zum Roboter machen können. Und es mag sein, dass es schon Roboter gibt, die ein Foto nachzeichnen oder ein bisschen übersetzen können. Aber zu echter Kreativität ist nur der fähig, der fühlen kann und mit seinem ganzen Wesen bei der Sache ist.

Wenn du dich beim Aufschieben ertappst, dann gibt es nur eine sinnvolle Reaktion: Dir anzuschauen, was da gerade in dir passiert. Wo du dich im kreativen Prozess befindest. Ob es gut ist, dass du jetzt noch nicht weitermachst. Und es also gut ist, das Aufschieben zuzulassen, es vielleicht sogar noch bewusster zu machen. Oder ob du das Arbeiten vor dir her schiebst, weil dir die Lust oder der Mut fehlt. Weil du an deinen Fähigkeiten oder Ideen zweifelst oder von Ängsten gehindert wirst.  Und falls das so ist: Wie du mit diesen Zweifeln und Ängsten umgehen kannst. Prokrastinieren kann auch hier eine wichtige Funktion haben: Es weist dich darauf hin, dass dir der kreative Kraftstoff fehlt. Und dass du dir die Zeit nehmen solltest,  dich wieder aufzuladen.

Kreative fliegt zur Tankstelle

Prokrastinieren kann auch ein Zeichen dafür sein, dass du deine kreative Energie auftanken musst. (Illustration von Nathalie Bromberger)

Kleiner Grundkurs Prokrastination

Kurz und gut, höchste Zeit, das Prokrastinieren zu rehablitieren und uns genauer anzuschauen, was dahinter steckt. Darum erscheint hier in den nächsten Wochen ein Serie mit Tipps und kleinen Workshops zu den verschiedenen Aspekten des Prokrastinierens:

 Teil 1 bis 3  handelt davon, auf welche Aufgaben das Aufschieben bei der kreativen Arbeit hat. Wie du erkennst, ob dein kreativer Prozess stockt oder fließt und ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist, deine Bleistifte zu zählen oder besser eine andere Prokrastiniermethode wählst.

Teil 1: Prokrastinieren hilft Fokussieren

 

Kreativität – die geheime Zutat des Kochens. Von Anne Webert.

“Drei Dinge braucht es, um gut zu kochen: gute Zutaten, scharfe Messer und eine Portion Kreativität.” Anne Webert

Die Autorin und Fotografin Anne Webert fotografiert von Petra Zobel

Foto von Petra Zobel

Im wunderbaren texttreff ist wieder Blogwichtel-Zeit und dieses Jahr hat mir das Los das Blog “Annes Art” zugeteilt, ein tolles Match, finde ich. Denn nicht nur hatten Anne und ich sofort das gleiche Thema für unsere Artikel im Kopf ( “was mit Kreativität und Kochen“ ), uns verbindet auch, dass wir beide mit Worten und Bildern arbeiten. Anne Webert ist freie TV-Journalistin, Autorin und Fotografin, lebt am Ammersee und schreibt u.a. über Kultur, Natur und slowfood  Die Fotos und Texte in ihren Blogs solltet ihr euch unbedingt anschauen – dass sie auch zeichnen kann, zeigen die wunderbaren Illustrationen zu diesem Blogbeitrag.

Kreativität – die geheime Zutat des Kochens.

Von Anne Webert

Drei Dinge braucht es, um gut zu kochen: gute Zutaten, scharfe Messer und eine Portion Kreativität. Natürlich kann man sich auf Rezepte und/oder Klassiker besinnen und damit auch durchweg gute Essen bereiten. Aber die wahre Meisterschaft verlangt einfach eine Prise Wagemut, um aus gutem Essen wirklich gutes Essen zu machen. Und Spaß macht es obendrein.

Der Grundstock

Jeder von uns kennt zwei, drei Kombinationen die ihm schmecken und perfekt harmonieren. Ich muss da immer an RATATOUILLE denken – die Feinschmecker-Ratte Remy versucht ihren Bruder Emile zu überzeugen, das die richtige Kombination von Geschmacksrichtungen zusätzlichen kulinarischen Genuss bringt.

  • Käse und Birne/Traube
  • Eier und Speck
  • Tomaten und Mozzarella
  • Schokolade und Nüsse
  • Garnelen und Chili

Nehmt diese Beispiele als Ausgangspunkt – es gibt ganz viele davon. Sie verbinden immer zwei Geschmacksbereiche die sich ergänzen – salzig, süß, umami, sauer, scharf, bitter. Dazu kommt die verschiedene Textur – also weich, knusprig, samtig, saftig…  es sind diese kleine Kombinationen, die für ein mehr an Geschmack sorgen.

Ergänzt die Ausgangsbasis mit einer dritten Zutat – es sollte darauf hinauslaufen, dass ihr auf jeden Fall salzig, süß und sauer zusammenbringt. Alles andere kommt dann on top.

Tomaten in Ofenschale

Am Anfang war der Rest

Ein wenig Suppe, ein Stückchen Fleisch oder etwas übrig gebliebenes Gemüse, sie sind der ideale Anfang eines neuen Gerichtes. Der Blick in den Kühlschrank, die Vorratskammer zeigt euch was außerdem vorhanden ist.

Suppe – natürlich kann man sie verlängern oder in eine neue integrieren. Aber das wäre ja zweimal Suppe hintereinander 😉 Also nehmt den Suppenrest als Ausgangsbasis für eine Soße oder Bestandteil einer Vinaigrette. Oder schiebt Gemüse/Kartoffeln in den Ofen und gebt sie als Flüssigkeit dazu. Je nachdem, wie lange ihr das Gemüse dann bruzzeln lasst, verschwindet sie und lässt den Geschmack zurück.

Basilikum Illustration von Anne WebertFleisch – da es bereits gegart ist, habt ihr die Wahl zwischen warm und kalt. Gebt ihm Pep durch Gewürze, bratet es knusprig an, schneidet es in Scheiben und macht eine kalte Soße dazu, schneidet es in Würfel und mischt es mit Salat, Gemüse und einer Vinaigrette.

Gemüse – das Richtige für eine Pfannkuchenfüllung, einen Auflauf oder mit Reis oder Nudeln in der Pfanne gebraten, mit Frischkäse püriert als Brotaufstrich.

Entscheidet euch in welche Richtung ihr gehen wollt – wonach ist euch denn heute? Italienisch, Asiatisch, Thai, Deutsch oder ganz was anderes?

Unterschiedliche Landesküchen erhaltet ihr sowohl durch Gewürze, als auch durch die begleitenden Zutaten.

Italienischer wird es durch frischen Basilikum, Tomaten, Pesto, Sardellen; als Beilagen kommen Polenta, Pasta oder Gnocchi ins Spiel. Asiatischen Flair erreicht ihr mit Hilfe von Zimt, Anis, Chili, Ingwer, Cumin… dazu Reis oder Woknudeln. Bei Thai darf noch mehr Chili rein oder ein Curry kann den Ton angeben, alles verbunden durch Kokosmilch … ihr seht schon – es gibt unendlich viele Möglichkeiten.

Topf mit Pinsel und Bleistift

Das I-Tüpfelchen

Einerseits wichtig für den Geschmack, anderseits unverzichtbar für die Optik – frische Kräuter, abgeriebene Zitronenschale, angebratene (oder auch karamellisierte) Nüsse / Kerne, Granatapfelkerne, knusprige Croutons oder auch ein Löffel Schmand, Pesto oder Dal. Sie geben Pep und ergänzen die Gerichte perfekt.

Natürlich nicht alle gleichzeitig.

Probiert es aus und habt keine Angst, dass es nicht schmeckt. Das kann natürlich mal passieren, aber ihr lernt dadurch und werdet beim nächsten Versuch diese Kombination meiden.

Kräuter zum Trocknen aufgehängt

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Drei Dinge, die du deiner Kreativität schenken solltest.

1. Du solltest dir Zeit schenken zum TagträumenFrau am Herd träumt

Deine Kreativität wohnt in der rechten Hirnhälfte. Hier regieren nicht die Sprache und das Bewusstsein, sondern Intuition, Bilder und Geschichten. Dieses Denken zeigt sich als Tagträumen: Du steuerst dabei nicht, was dir durch den Kopf geht, folgst keinem bewussten Plan. Dadurch kann der kreative Teil deines Gehirns seine Prozesse entfalten. Was dir dabei durch den Kopf geht, mag zufällig und zusammenhanglos wirken, in Wirklichkeit ist es der Kern der kreativen Arbeit: Erfahrungen werden verbunden und neu geordnet, Ideen suchen und finden sich, bringen neue Formen, Bilder und Geschichten hervor. Diese Art des Denkens kann sich prima beim Kochen und Gärtnern, beim Joggen und Wandern entfalten. Es stört sie nicht, deine Aufmerksamkeit mit praktischen, körperlichen Tätigkeiten zu teilen. Aber Sprache und Logik stören beim Tagträumen, genau wie dauernde Unterbrechungen. Deshalb mach das Smartphone beim Kochen aus, hör beim Autofahren mal keine kluge Nachrichtensendung, lass dich beim Tagträumen nicht von WhatsApp und Insta stören. Deiner Kreativität Gutes tun, heißt: ihr Tagträum- Zeit schenken.

2. Du  solltest dir Zeit schenken, deinen eigenen Erfahrungen zuzuhören

Deiner Kreativität Zeit schenken und dir zuhörenWir beschäftigen uns heutzutage unglaublich viel mit den Erfahrungen von anderen Menschen. Die Medien überschütten ins mit Berichten darüber, was hier oder dort geschehen, X oder Y erlebt haben. Was wir selbst erlebt haben, was unsere Erfahrungen und erzählen, scheint dagegen kaum eine Rolle zu spielen, „Zeit meine Erfahrungen zu spüren und zu verstehen“, steht wohl in kaum einem Terminkalender. Dabei ist dies das wichtigste, das du für dich, für deine Kreativität und für die Welt tun kannst: deine einzigartigen Wahrnehmungen, Gefühle, Gedanken, Beobachtungen, Entdeckungen und Ideen ernst nehmen. Darum, räum in deinem Terminkalender Zeit ein, in der du deinem Inneren lauschst.

 

 

3. Du solltest dir Zeit schenken, deine Projekte reifen zu lassen

Herzensding reift neben Wein im WeinkellerWir haben alle so viele Pläne und wir verbinden sie immer mit Zeitvorstellungen. Und legen unserer Kreativität damit Fußfesseln an. Wenn wir ihr sagen: “Bis dann musst du fertig sein!”, wird sie sich bestimmte Gedankenflüge gleich verbieten – sie weiß, dass sie innerhalb des Zeitrahmens nicht ankommen würde. Und so bleibt sie auf dem Boden oder macht nur kleine Hopser, statt richtig abzuheben. Natürlich können wir viele Pläne auch so ausführen. Dann wird die Geschichte halt etwas kleiner bleiben, die Zeichnung nicht ganz tief aus dem Herzen kommen. Aber bei deinem Herzensprojekten solltest du dich nicht mit diesen B-Versionen zufrieden stellen. Es wäre doch schade, bei dem, was dir wirklich wichtig ist, nur kleine Hopser zu machen, wenn ein Ballonflug möglich ist oder eine Expedition zum Planet der Wunderblumen. Gönne deinem Herzensprojekt, zu wachsen und zu reifen, bis die Energie für den großen Flug gesammelt ist. Schenk dir die „Ich warte noch“-Zeit. Man nennt sie auch Geduld.

Online-Kurs “Die kreative Befreiung”

Online-Kurs Kreative BefreiungSchluss mit den Kreativblockern – in diesem 12wöchigen Kurs sprengen wir den Rahmen und entsorgen die 11 hindernden Vorstellungen aus denen der Rahmen besteht. Mit kreativen Aufgaben und Gewahrseinsübungen entdeckst du die vielen wunderbaren Seiten deiner kreativen Persönlichkeit und findest neue Bilder für deine kreativen Arbeitsweisen. 

Wie läuft der Kurs ab? Nach der Anmeldung bekommst du Zugang zu der Kursseite. Dort erwartet dich drei mal in der Woche Inspirierendes und Ermutigendes zur kreativen Befreiung: Videos mit kreativen Aufgaben,  Kritzelblätter und Gewahrseins-Übungen. In einer geheimen facebook-Gruppe gibt es Gelegenheit zum Austausch, Fragen und Diskussionen,  zu gegenseitiger Inspiration und Ermutigung. 

Zeitlicher Ablauf: In der ersten Dezemberhälfte fangen wir mit zwei Workshops an. Vom 18. Dezember bis zum 9. Januar habt ihr dann Zeit, entspannt an einer Aufgabe zu arbeiten. Die anderen 10 Workshops finden  in der Zeit vom 10. Januar bis zum 23. März statt.

Der Workshop kostet 150 Euro (inkl. Mehrwertsteuer).
Anmelden kannst du dich über diesen Link:
Kurs Kreative Befreiung

Lasst uns den Rahmen sprengen und die kreativen Kräfte befreien!